Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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da es doch ſcheint, als wenn man mich hier nur beklagen und nicht anerkennen will, ſo beſchwöre ich Sie, mein Herr und Kaiſer, Sie, mein Vater, laſſen Sie mich zu meinem Gemahl nach Elba gehen! Dort wird Jedermann wiſſen, wie er mich zu nennen hat, dort werde ich die Gemahlin des Kaiſers, die Mutter des Kronprinzen ſein. Oh, mein geliebter Vater, haben Sie Erbarmen, entlaſſen Sie mich nach Elba!

Der Kaiſer ſchüttelte haſtig und unwillig ſein Haupt. Red' mir nit ſolches Zeug, ſagte er unwillig. Haſt nichts zu ſchaffen mit dem Mann, den wir da auf Elba eingeſperrt haben, und ſollſt nimmer wieder mit ihm zuſammen kommen. Er iſt kein Kaiſer mehr, ſondern ein abgeſetzter Uſurpator, und Du biſt alſo auch keine Kaiſerin mehr, ſondern biſt halt wieder die Erzherzogin Marie Louiſe. Meine Ge⸗ mahlin, Deine Mutter, hat aber doch Recht, daß man im Augenblick nit weiß, wie man Dich nennen ſoll, denn ich kann doch Dich nicht wieder zur unverheiratheten Erzherzogin machen, da Du leider einen Sohn mit heimgebracht haſt, der immer wieder erinnern wird an das, was geweſen, wenn der heilige Vater zu Rom mir auch den Gefallen thut, Deine Ehe zu löſen und Dich von dem böſen Feind zu trennen. Dies Kind bleibt immer als ein trauriger Beweis unſerer Schande und Demüthigung übrig.

Ja, ſeufzte die Kaiſerin Ludovica, dieſes Kind iſt eine traurige Laſt, ein ſchlimmes memento mori.

Madame, rief Marie Louiſe, wenn Gott Sie jemals begnadigt hätte, Mutter zu werden, ſo würden Sie nicht ſo grauſam ſein, in Gegenwart einer Mutter ſo von ihrem Kinde zu ſprechen.

Still, ſtill, mein Kind, ſagte der Kaiſer, ereifere Dich nicht ohne Noth und beleidige nicht Deine Mutter, die es gut mit Dir meint.

Oh, mein Gemahl, ſagte Ludovica mit einem ſtolzen Lächeln, Marie Louiſe kann mich nicht kränken. Sie iſt unglücklich und den Unglücklichen verzeiht man es, wenn ſie ein wenig die Haltung verlieren!

Marie Louiſe zuckte in ſich zuſammen, ihre Lippen zitterten, und ein leiſes Aechzen drang aus ihrer Bruſt hervor, welche von dieſem neuen Dolchſtoß ihrer kaiſerlichen Mutter ſich tief verwundet fühlte.