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und der Kammerherr der Kaiſerin mit lauter Stimme rief: Ihre Ma⸗ jeſtäten der Kaiſer und die Kaiſerin.
Marie Louiſe eilte raſch durch das Gemach hin, um mit lachendem, heiterm Geſicht ihren kaiſerlichen Aeltern entgegen zu gehen. Sie hatte noch nicht die Thür erreicht, als auf der Schwelle derſelben die hohe, ſtattliche Geſtalt des Kaiſers Franz erſchien, hinter dem man das bleiche ernſte Antlitz der Kaiſerin Ludovica gewahrte.
Ah, mein Vater, rief Marie Louiſe mit dem Ausdruck freudiger Verwirrung, wie Sie mich überraſchen! Ich habe Ihr Kommen gar nicht gehört!
Wir wollten Dich auch überraſchen, meine Tochter, ſagte Kaiſer Franz, mit ſeinem heitern gutmüthigen Geſicht ſeine Tochter anſchauend und ihr freundlich zunickend. Jetzt komm her, mein Kind, komm in die Arme Deines Vaters! Willkommen ſei Deine Heimkehr!
Ja, willkommen ſei Deine Heimkehr, wiederholte die Kaiſerin Ludovica, ſich Marie Louiſe nähernd, und ihr freundlich zunickend.
Marie Louiſe, welche ſich eben mit Thränen der Rührung ihrem Vater in die Arme geworfen, zuckte leiſe zuſammen bei den Worten der Kaiſerin.— Seit ihrer Vermählung hatte ihre Stiefmutter ſie ſo⸗ wohl in jenem berühmten Beiſammenſein in Dresden und in Prag, wie auch in den Briefen, die ſie an die Kaiſerin nach Paris geſandt, immer mit dem ceremoniellen und feierlichen„Sie“ angeredet.— Jetzt nannte die Kaiſerin Ludovica ſie wieder„Du“, und Marie Louiſe em⸗ pfand das nicht als einen Beweis ihrer Liebe und Herzlichkeit, ſondern als eine Zurückſetzung und Vernachläſſigung.
Ew. Majeſtät ſind zu gütig, mich willkommen zu heißen, ſagte ſie, ſich aus den Armen des Kaiſers aufrichtend, und ſich tief vor der Kaiſerin verneigend.
Nicht ſo, nicht ſo, mein Kind, rief der Kaiſer in ſeinem ungenirten Wiener Dialekt, ſind halt nit gekommen zum feierlichen Ceremoniell, ſondern es iſt der Vater und die Mutter, welche Dich willkommen heißen, meine Tochter. Da gieb alſo Deiner Mutter einen herzlichen Kußerl, und laß uns vertraulich mit einander plaudern.
Die Kaiſerin Ludovica ſchloß Marie Louiſe mit herzlicher Zuvor⸗


