Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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unkenntlich machte, wenn man ſichere Führer bereit hielte, Begleiter, die 4 lieber ſterben, als ihre Kaiſerin verlaſſen, wenn man für raſche Pferde,* für ein ſchnell ſegelndes Schiff geſorgt hätte, wenn Alles zur Flucht

mit Vorſicht und Verſchwiegenheit bereitet wäre, würden Ew. Majeſtät. dann thun, was Ihre Großmutter, die Königin Caroline, ſagte, daß.

Sie thun müßten, würden Sie dann nach Elba gehen, um ſich mit Ihrem Gemahl zu vereinigen?

Gräfin, ſtammelte die Kaiſerin erſchrocken, und mit erbleichenden Wangen, Sie wollen doch nicht ſagen, daß—

Das donnernde Geräuſch heranrollender Wagen machte Marie Louiſe verſtummen. Sie eilte an's Fenſter und ſchaute hinaus.

Es iſt der Kaiſer und die Kaiſerin, rief ſie beklommen. Gräfin, ſehen Sie mich an. Sieht man, daß ich geweint habe?

Man ſieht es, ſagte die Gräfin ernſt, aber die Thränen, die man um das Unglück des Gemahls weint, ehren jede Frau.

Die Kaiſerin ſoll aber nicht ſehen, daß ich geweint habe, rief Marie Louiſe, und ſie eilte zum Spiegel hin, beſchaute prüfend ihr eigenes Bild, und ordnete mit haſtigen Händen ihren Kopfputz und die Spitzen und Schleifen, die ihre vollen weißen Schultern an dem Aus⸗ ſchnitt des blauen Atlaskleides einfaßten.

Erlauben Ew. Majeſtät, daß ich mich auf mein Zimmer zurück⸗ ziehe, ſagte die Gräfin Brignole, ſich tief verneigend. Da die Ma⸗ jeſtäten ſich nicht melden laſſen, ſcheinen ſie sans cérémonie kommen zu wollen, und alſo wäre es nicht ſchicklich, daß ich bei dieſer Familien⸗ ſcene anweſend wäre.

Marie Louiſe antwortete ihr nicht. Sie war noch immer damit beſchäftigt, vor dem Spiegel ihre Toilette zu ordnen, und jede Spur von Trauer aus ihren Mienen zu verbannen.

Gräfin Brignole wandte ſich um, und indem ſie mit eiligen Schritten das Cabinet der Kaiſerin verließ, murmelte ſie: ſie hat ein eitles, kaltes Herz. Es wird nicht gelingen, ſie zur Flucht zu bereden, denn ihr fehlt die Liebe und der Muth!

Die Oberhofmeiſterin hatte kaum das Cabinet der Kaiſerin verlaſſen, als da drüben die beiden Flügelthüren des Salons geöffnet wurden,