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Wie denn könnte es von mir abhängen, frei, glücklich und von aller Welt beneidet zu werden?
Kaiſerin, der Mann, dem Sie angehören, dem Sie Treue und Liebe geſchworen, der der Vater Ihres Sohnes iſt, dieſer Mann lebt! Gehen Sie zu ihm, gehen Sie nach Elba, und Sie werden frei, Sie werden wieder Kaiſerin, Sie werden wieder glücklich ſein, denn Sie werden Ihre Pflicht gethan haben, und alle Frauen werden Sie be⸗ neiden, daß es Ihnen vergönnt iſt, den Heros in ſeinem Unglück zu tröſten!
Ach, Gräfin, rief Marie Louiſe ſchmerzlich, Sie wiſſen wohl, daß ich keinen Willen haben darf, daß der Befehl meines Vaters mich heute ſo gut zwingt, hier zu bleiben, wie er mich vor vier Jahren gezwungen hat, von hier fortzugehen.
Wer kann eine Frau zwingen, ſich von ihrem Gemahl zu trennen, wenn ſie es nicht will? fragte die Gräfin mit ſtrengem Ton. Ich wiederhole Ihnen, Majeſtät, was Ihnen Ihre Großmutter, die Königin Caroline von Neapel ſagte, als Sie vor Ihrer Reiſe von ihr Abſchied nahmen.„Wenn man Sie hindern will, zu ihrem Gemahl zu gehen, ſo müſſen Sie Nachts Ihre Betttücher an das Fenſter binden, und ver⸗ kleidet entfliehen, um zu Napoleon zu gehen. Er iſt Ihr Gemahl, und wenn man ſich verheirathet hat, ſo iſt das für's ganze Leben. Ent⸗
fliehen Sie alſo, eilen Sie zu Ihrem Gemahl, und alle Welt wird Ihnen Beifall ſpenden.“*)
Entfliehen, um von den Spionen, die mich ewig umſchleichen und umlauern, wieder eingeholt, und wie eine Verbrecherin zurück gebracht zu werden! rief Marie Louiſe entſetzt. Oh nie, nie würde ich den Muth dazu haben, denn ich weiß, daß eine Flucht unmöglich iſt, daß ſie nicht gelingen kann!
Ein raſcher Blitz leuchtete in den dunklen Augen der Gräfin auf, und ſie ſchritt haſtig zu der Kaiſerin hin. Aber wenn man Ew. Ma⸗ jeſtät einen ganz ſichern Weg zur Flucht angeben könnte, ſagte ſie ge⸗ heimnißvoll, wenn man eine Verkleidung anſchaffte, welche Ew. Majeſtät
*) Méneval: Mémoires. Vol. III. p. 9.
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