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achtete nicht meines Flehens, meiner Angſt, meiner Thränen, man ſagte mir, die Prinzeſſinnen hätten die Pflicht, als ſtumme und gehor⸗ ſame Werkzeuge der Politik ſich dahin ſtellen zu laſſen, wohin man ſie ſtellen wolle, um dem Wohl des Staats, dem ſie angehörten, zu dienen.
Der Kaiſer befahl mir, die Gemahlin Napoleons zu werden, er befahl mir, meinen Gemahl zu lieben, und ihm in allen Dingen Ge⸗ horſam, Treue und Anhänglichkeit zu beweiſen.*) Nun wohl, ich unterwarf mich, ich gehorchte, und ward die Gemahlin Napoleons. Anfangs fürchtete ich ihn, aber er,— er liebte mich, und die Liebe trieb die Furcht aus, ich liebte und bewunderte ihn, und dankte meinem Vater von ganzer Seele, daß er mich zu meinem Glück gezwungen. Ich war eine glückliche Kaiſerin, ein glückliches Weib, eine glückliche Mutter. Und nun, ſehen Sie mich an, Brignole, was bin ich jetzt? Eine verlaſſene, einſame Frau ohne Namen, ohne Gemahl, ohne Titel! Eine Frau, die durch die Armee ihres eigenen Vaters ihrer Krone, ihres Reiches und ihres Gemahls beraubt worden iſt, und die bei ihrem Beſieger jetzt Hülfe und Schutz ſuchen muß, weil dieſer Beſieger ihr Vater iſt!
Sie ſtieß einen lauten Wehelaut aus, und ſchlug ihre Hände vor ihr Angeſicht, um ihre Thränen und ihr Schluchzen zu erſticken.
Ihre Oberhofmeiſterin, die Gräfin Brignole, betrachtete ſie mit kalten, ſtrengen Blicken.
Ew. Majeſtät haben indeſſen Unrecht, ſich zu beklagen, ſagte ſie. Es hängt nur von Ihnen ab, frei, geehrt, glücklich und von der Welt beneidet zu ſein.
Marie Louiſe richtete ihr Haupt haſtig empor und blickte mit ihren, noch von Thränen umdüſterten Augen erſtaunt in das düſtere, ſtrenge Antlit ihrer Oberhofmeiſterin.
Sie wollen mich alſo verſpotten, Brignole? fragte ſie.
Nein, Majeſtät, es würde mir ſchlecht anſtehen, das Unglück zu verſpotten.
*) Ménval. II. p. 5.
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