Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

und was Sie beſitzen? Wollen Sie mir einen Namen und einen Mann geben?

Ihre ſchwarzen Augen waren mit funkelnden, durchbohrenden Blicken auf ihn gerichtet, und ſchienen auf dem Grunde ſeiner Seele leſen zu wollen.

Herr von Sahla ſchlug vor dieſen Blicken die Augen nieder und ſeufzte tief auf. Sie ſind grauſam, ſagte er leiſe und ſchwermuths⸗ voll, Sie laſſen mich da den offenen Himmel ſehen, und wiſſen, daß ich ihn nie betreten kann, daß ein heiliges Gelübde mich auf ewig von ihm fern hält.

Es iſt wahr, Sie ſind Calatrava⸗Ritter, ſagte Friederike lächelnd. Aber die Zeit der Romantik und des Ritterthums iſt vorbei; es giebt keine Kreuzzüge mehr zu unternehmen, keine Drachen mehr zu bekämpfen, und von Ihrem ganzen Ritterthum iſt Ihnen nichts mehr übrig ge⸗ blieben als die leere Schaale. Werfen Sie dieſe Schaale von ſich, bitten Sie den Papſt, daß er Sie von derſelben befreie, hören Sie auf, ein Ritter zu ſein und werden Sie wieder ein freier Mann, der ſich nach eigenem Wunſch und Willen ſein Leben und ſeine Zukunft beſtimmen kann!

Wenn ich das thäte, und wenn der Papſt mich frei gäbe, was würde meine Zukunft ſein? fragte Sahla traurig. Ich bin arm, ich lebe von dem Gehalt, das mir als Calatrava⸗Ritter zukommt, ich be⸗ ſitze nichts als einen altadlichen Namen, und ein altes Wappenſchild.⸗

Und das iſt ein ſehr koſtbares Beſitzthum, mein Freund, ein Be⸗ ſitzthum, das mehr werth iſt, als Ihr ganzes Calatrava⸗Ritterthum. Werfen Sie das Todte zu den Todten, fort mit dem Ordenskreuz und dem Rittermantel. Werden Sie ein freier Mann, und reichen Sie mir Ihre Hand. Ich verſpreche Ihnen Orden und Titel, Geld und Güter, und ich verlange nichts dafür als Ihren Namen, das Recht, mich Ihre Gemahlin zu nennen, mit Ihnen in Einem Hauſe, verſtehen Sie wohl, in unſerm Hauſe zu wohnen, und in dieſem Hauſe als die Frau Baronin von Sahla meinen Salon eröffnen zu können. Ich werde Ihnen außervdem vollkommene Freiheit laſſen, werde Sie in keiner Hinſicht geniren, werde Sie Ihren Weg wandeln laſſen, und