Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Sie bitten, mich auf dem meinen ungehindert dahin gehen zu laſſen. Wir werden nur den Namen, das Haus, unſer Vermögen und unſere Geſellſchaften mit einander gemein haben, ſonſt aber vollkommene Freiheit haben, unſeren Neigungen und Gewohnheiten gemäß weiter zu leben. Gefällt Ihnen mein Vorſchlag? Nehmen Sie ihn an? Still, ſtill, antworten Sie mir noch nicht! Ich ſehe da den Schatten einer Wolke auf Ihrer Stirn, und es funkelt wie ein Blitz in Ihrem Auge! Das iſt der letzte Blitz des erſterbenden Calatrava⸗Ritterthums, dem mein Vorſchlag vielleicht nicht romantiſch, nicht nobel genug erſcheint! Er⸗ tödten Sie dieſes alte romantiſche Ritterthum in ſich, und werden Sie ein praktiſcher Mann, ein Mann der Gegenwart, der ſeinem Vortheil nachgeht, und Carrière machen will. Antworten Sie mir alſo noch nicht, ſondern überlegen Sie, bedenken Sie! Ich gebe Ihnen vier Wochen Zeit dazu! Nach dieſen vier Wochen ſollen Sie mir ſagen, ob Sie meinen Vorſchlag annehmen, das heißt, ob Sie der Gemahl einer jungen, nicht ganz geiſtloſen, nicht ganz einflußloſen Perſon ſein wollen, die im Stande iſt, Ihrem Vaterland, Ihrem König und Ihnen ſelbſt allerlei Vortheil S Nutzen zu gewähren, oder ob Sie meinen Vor⸗ ſchlag ablehnen, das heißt, ſich eine Feindin erwerben wollen, die durch⸗ aus im Stande und alsdann ſehr gewillt iſt, Ihrem Vaterland, Ihrem König und Ihnen ſelbſt ſo viel Schaden zuzufügen, als irgend in ihrer Macht ſteht. Wählen Sie, mein Herr, wählen Sie! Aber bedächtig, in der Stille! Ich gebe Ihnen, wie geſagt, vier Wochen Zeit. Bis dahin wollen wir uns öfter ſehen, aber ohne auch nur mit Einem Wort unſeres Planes zu gedenken, nur der Gegenwart und unſerem Vergnügen lebend. Aber heute über einen Monat, alſo am achtzehnten November, dann erwarte ich Sie bei mir zu einer ernſten diplomatiſchen Conferenz, und an dem Tage ſoll es ſich entſcheiden, ob Sie es vor⸗ ziehen, Calatrava⸗Ritter zu bleiben, oder ob Sie Ihr Glück annehmen und mein Gemahl werden wollen, ob Sie ſich eine einflußreiche Freun⸗ din, oder eine gefährliche Feindin für Ihren König und Ihr Sachſen⸗ land erwerben wollen. Nun kein Wort weiter! Da ſind wir eben vor meiner Wohnung angelangt, und der Wagen hält, ſteigen wir alſo aus! Addio, mein Herr Calatrava⸗ Ritter von Sahla! Addio!