35
Hardenberg verwünſcht mich von ganzer Seele, und lernt durch mich ein wenig von den Qualen kennen, welche ſie der zweiten bereitet hat. Gerechtigkeit muß geübt werden, und die verfolgte Tugend muß ihre Rache haben!
Sie wollen alſo die dritte Frau von Hardenberg zu der zweiten in's Exil ſchicken, und als rächender Tugendengel ihre Stelle und ihren Namen ihr rauben?
Nicht doch, das hieße daſſelbe Verbrechen begehen, das ich ſtrafen will. Nein, nein, möge die gute Schönemann ihre Rolle als Staats⸗ kanzlerin weiter ſchauſpielern, und tüchtig beklatſcht werden von dem Parterre der Welt. Ich beneide ſie nicht, ich will und mag ewig nur als die Tochter, die Freundin zu den Füßen meines angebeteten Freun⸗ des ſitzen. Aber Sie wiſſen, die Welt iſt ſo jammervoll und klein, ſie ſucht Alles zu verdächtigen, über Alles die ätzende Lauge ihrer Bos⸗ heit zu ergießen. Davor möchte ich meine reine uneigennützige Liebe bewahren, deshalb möchte ich mir einen Schleier anſchaffen, der ſo undurchſichtig iſt, daß ich mich ganz unter demſelben verbergen kann, und gar nicht zu befürchten brauche, von den boshaften Augen der Neider beobachtet, von den Giftzungen der Verleumder bekrittelt zu werden. Und jetzt, mein Herr, ſind wir auf dem Gipfelpunkt unſerer Unterredung ange⸗ langt, Sie ſollen jetzt mit freiem Blick die Ausſicht genießen, und ent⸗ ſcheiden, ob Sie mit mir hinabſteigen wollen in das Thal meiner Zu⸗ kunft. Wir ſtehen hier vor dem entſcheidenden Punkt unſeres Geſprächs; die weitſchweifige Einleitung iſt zu Ende, jetzt kommen wir zu dem Kern der Sache.
Und ich geſtehe Ihnen, daß ich auf dieſen Kern außerordentlich geſpannt bin, ſagte Herr von Sahla lächelnd, und daß ich meinen Ver⸗ ſtand vergeblich abmühe, mir zu ſagen, inwiefern ich Ihnen behülflich ſein könnte, einen Salon neben Ihrem Boudoir zu eröffnen.
Sie haben indeſſen gerade das, was mir fehlt, Sie haben einen ſchönen vornehmen Namen, und Sie ſind ein Mann. Herr von Sahla, ich frage Sie alſo ganz kurz und offen, wie es großen und genialen Seelen ziemt: Wollen Sie mir das geben, was mir fehlt,


