Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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haben mir noch nicht geſagt, was Sie mir für Gegendienſte bieten können? Wir wollen offen und ehrlich mit einander ſprechen und dadurch beweiſen, daß wir nicht zu den officiellen Diplomaten des Congreſſes gehören. Alſo offen und ehrlich: Ja, ich kann Ihnen nütz⸗ lich werden, wenn ich will, denn mein hoher Gönner und Freund iſt ſchwach genug, meinen Wünſchen und Bitten zuweilen ſein Ohr zu leihen, und er iſt es, der die Politik Preußens lenkt. Ich kann Ihnen alſo nützlich ſein, wenn ich will, aber es fragt ſich nur, ob ich will? Es fragt ſich vor allen Dingen, was Sie mir bieten können, um auf meinen Willen einzuwirken? Ach, Sie ſehen mich erſtaunt an? Sie finden, daß ich ſehr wenig dem Ideal von Weiblichkeit, Großmuth und Uneigennützigkeit gleiche, das Sie in Ihrem Herzen tragen?

Nein, ſagte Herr von Sahla ſchüchtern, ich frage mich nur, was ein armer König ohne Land und Krone, was ein verarmtes, ausgeſo⸗ genes Land einer ſchönen jungen Dame, die von einem reichen, mäch⸗ tigen und freigebigen Herrn beſchützt wird, von einem Herrn, der, ob⸗ wohl er keine Krone trägt, doch die Macht eines Herrſchers beſitzt und Ehren und Würden zu vergeben hat, ich frage mich nur, was Sachſen der Freundin des mächtigen Staatskanzlers bieten kann?

Und ich will Ihnen die Antwort nicht ſchuldig bleiben, ſagte Frie⸗ derike. Sie haben mich in Ihr Herz ſchauen und mich die Motive Ihres Hierſeins ſehen laſſen. Ich will Ihnen auch mein Herz zeigen, und Sie ſollen erfahren, weshalb ich hierher gekommen bin. Sie nannten mich die Freundin des Staatskanzlers? Nun ja, ich bin es, aber im Schatten, in der Stille und im Verborgenen. Ich blühe wie das beſcheidene Veilchen, das man nicht ſieht, das man nur entdeckt, wenn man ſich zur Erde niederbückt und es unter ſeinem Verſteck von Blättern hervorſucht. Ich geſtehe aber, daß ich dieſer Veilchenrolle herzlich ſatt und überdrüſſig bin, und daß ich lieber als volle Purpur⸗ roſe im hellen Glanz der Sonne blühen, daß ich mich hoch erheben möchte, damit Niemand ſich zu mir herab, ſondern, daß Jeder ſich vor mir bücken müßte. Dazu bedarf ich der Titel, der Stellung, der An⸗ erkennung in der Geſellſchaft. Ich bin alſo hierher nach Wien ge⸗ kommen, hierher, wo jetzt neben den Diplomaten ein ganzes Heer von