Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Und die Kaiſerin? Beſitzt dieſe edle ſchöne Frau keinen Einfluß auf ihren Gemahl? Man ſagt doch, daß ſie ihn ſehr innig lieben ſoll.

Vielleicht wär's beſſer, ſie liebte ihn weniger, das würde den Kaiſer reizen, um ihre Liebe zu werben. Die Männer ſind ja ſo ſeltſam närriſch, daß nur das ſie reizt, was ſich ihnen zu entziehen ſcheint. Die ſanfte ſchöne Kaiſerin ſollte von den beiden Damen, welche da auf der Bank hinter ihr ſitzen, vor allen Dingen lernen, wie man die Männer boudiren und ſekkiren muß, um ſie zu beherrſchen. Sehen Sie dieſe beiden Damen, welche ich meine? Zuerſt dieſe Dame da mit dem überaus zarten Teint von durchſichtiger Weiße, die Wangen ſanft überhaucht von einem zarten Roth, dieſe Dame mit den regel mäßigen und doch leicht beweglichen Zügen, mit den großen ausdrucks⸗ vollen Augen und den ſanft geſchwellten purpurnen Lippen, das iſt die Fürſtin Bagration. Oh, ich rathe Ihnen, ſehen Sie ſie recht genau an, und wenn Ihnen Ihre Ruhe und Ihr Leben werth iſt, ſo hüten Sie ſich vor dieſer Frau, die glühend und ſtolz iſt, wie eine Andalu⸗ ſierin, rachſüchtig wie eine Römerin, üppig und verſchwenderiſch wie eine Creolin, grauſam und herzlos wie eine Ruſſin, liſtig und intri⸗ guant wie eine Franzöſin. Ich wiederhole Ihnen, ſehen Sie ſich dieſe Frau genau an, denn ſie iſt eine der mächtigſten Erſcheinungen des Congreſſes, und was ſie erreichen will, das wird ſie erreichen, ſei's mit Liſt oder mit Gewalt, mit Haß oder mit Liebe, ſei's mit Gift und Dolch, oder mit Hingebung und Erniedrigung. Sie iſt die langjährige Freundin und Vertraute des Fürſten Metternich, den ſie einſt leiden⸗ ſchaftlich geliebt, und den ſie vielleicht noch liebt, ſo viel als ihr er⸗ mattetes Herz es vermag, und es ihrem Vortheil angemeſſen iſt. Metternich freilich hat ſie nie geliebt, aber er hat ſich doch den An⸗ ſchein gegeben, und er thut es auch jetzt noch, denn die Fürſtin Bagration iſt für ihn eine ſehr wichtige Perſon, da ſie von großem Einfluß auf den Kaiſer Alexander iſt, und zugleich mit den Diplo⸗ maten England's in ſehr gutem Vernehmen ſteht. England bedarf einer Vermittlerin zwiſchen ſich und Rußland, und die Fürſtin Bagration bedarf ſehr vielen Geldes; ihre Börſe iſt wie ein Danaidenfaß, durch das ruſſiſches, öſterreichiſches und engliſches Gold in gleichmäßiger