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Schnelle und in unaufhörlichem Strom hindurch fließt. Sehen Sie nur, da läßt die Fürſtin den zobelbeſetzten Sammetüberwurf von ihren Schultern gleiten. Nicht wahr, dieſe Schultern ſind ſchön, ſo durch⸗ ſichtig weiß, ſo edel geformt? Ja, ja, die Fürſtin Bagration hat eine wundervolle Büſte, und ſie iſt ſo großmüthig, dieſe ſo viel als möglich alle Welt ſehen zu laſſen. Man hat ihr daher in der Salonwelt ſeit langer Zeit den Zunamen:„belle ange nue“ gegeben, und alle Welt verſichert, daß ſie dieſem Namen Ehre macht.*)
Und ihr Gemahl, der Fürſt Bagration? Er iſt nicht eiferſüchtig, wie es ſcheint?
Er iſt klug genug geweſen, zu rechter Zeit zu ſterben, und ſeiner Gemahlin, der er unbequem war, aus dem Wege zu gehen. Er fiel 1812 in der Schlacht von Moſaisk, und die Fürſtin ſchwört jetzt, daß dieſer Tod ihres Gemahls die Haupttriebfeder ihres Haſſes gegen Na⸗ poleon iſt. Denn ich ſage Ihnen, die Fürſtin Bagration iſt eine der glühendſten Feindinnen Bonaparte's, und ſie und ihr großer Freund, der Graf Pozzo di Borgo, können es nie verwinden, daß man dem gefallenen Cäſaren erlaubt hat, auf Elba ſeine frühere Herrlichkeit als Schattenſpiel an der Wand zu repetiren. Uebrigens, was fällt mir da ein,— Sie müßten ſich eigentlich an die Fürſtin Bagration wenden, denn die Dame iſt eine halbe Landsmännin von Ihnen, eine geborne Polin, die Tochter des polniſchen Generals Grafen Paul Skrawnesky. Vielleicht, wenn Sie das Glück haben, ihr zu gefallen, ſchafft ſie Ihnen einige von den eingezogenen Gütern Ihrer Mutter wieder.
Ich bin nicht hier, um für mich ſelber zu feilſchen und zu betteln, ſagte Herr von Sahla düſter. Mein Leben, meine Intereſſen und Ge⸗ danken gehören allein meinem Vaterland und meinem König. Für Sachſen allein will ich handeln, ſprechen und wirken, und wenn es ſein muß, mich demüthigen und betteln! Die Fürſtin Bagration wird ſich nicht für Sachſen intereſſiren, denn unſer König iſt arm, er hat ihr keine Schätze und keine Brillanten zu bieten, und ſie wird daher für ſein Unglück keine Theilnahme haben.
*) Hormayr: Kaiſer Franz und Metternich. Ein Fragment. S. 87.


