Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

geht. Die Mächtigen werden ihm alſo ihre Thüren verſchließen und ſich des unbequemen Bittſtellers entledigen, damit er ſie nicht unter⸗ einander in Unfrieden und Krieg verwickele. Man wird Sachſen opfern, um dafür ſich ſelber den Frieden zu ſichern!

Nun, wenn dem ſo iſt, rief Herr von Sahla, ſeine düſtern Blicke zum Himmel erhebend, wenn die Menſchen das unglückliche Sachſen

und ſeinen trauernden König verlaſſen, dann wird Gott da ſein, ſich

unſerer zu erbarmen, dann wird Gott ſprechen, und wenn er das Un⸗ recht nicht hindert, ſo wird er es wenigſtens ſtrafen, ſo wird er den Arm eines Rächers bewaffnen, daß er das an dem heiligen Völkerrecht begangene Verbrechen züchtige, daß er

Still, junger Mann, ſtill, flüſterte Friederike, ihm haſtig die Hand auf die Schulter legend, Sie ſprechen ſo laut, daß nicht ich allein, ſondern auch Andere Sie verſtehen, und Ihre Worte deuten können.

Nein, Niemand verſteht mich außer Ihnen, ſagte Herr von Sahla, einen raſchen Blick rings um ſich werfend, hören Sie und ſehen Sie nur! Wir ſind ja auf der Tribüne der Fremden, es ſind keine deutſchen Phyſiognomien, welche uns hier umgeben, vor uns und uns zur Seite ſpricht man italieniſch, hinter uns franzöſiſch. Die Fran⸗ zoſen und die Italiener aber halten es nicht der Mühe werth, unſere deutſche Sprache zu erlernen, denn ſie wiſſen ſehr wohl, daß die Deutſchen mit ihrer Vorliebe für alles Fremde und Ausländiſche gern alle fremden Sprachen lernen, um mit jedem Fremden, der ihnen die Ehre erzeigt, ſie zu beſuchen, in ſeiner Sprache zu reden.

Sie haben Recht, es ſind gar gutmüthige, gelehrte Leute, die lieben Deutſchen, lachte Friederike, jeder von ihnen iſt ein gebornes Sprachgenie. Selbſt mein guter Vater, der ſonſt wenig Anderes ver⸗ ſteht, als die Räder ſeiner Uhren in Bewegung zu ſetzen, hat es doch für nöthig befunden, die Sprache meiner Mutter zu erlernen, damit ſie nicht die Mühe haben ſollte, die Sprache ihres Herrn und Gatten zu erlernen.

Ihre Mutter alſo iſt keine Deutſche? fragte Herr von Sahla.

Nein, mein Herr, ich habe die Ehre eine halbe Franzöſin zu ſein. Meine Mutter iſt eine Franzöſin von uraltem Adelsgeſchlecht, eine ge⸗