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Sie werden es annehmen, mein Herr, rief Friederike lachend, ſie werden es annehmen, zweifeln Sie nicht. Die Monarchen werden nicht ſo leichtgläubig und gutmüthig ſein, wie das deutſche Volk, ſie werden ſich nicht mit Verſprechungen abſpeiſen laſſen! Schauen Sie einmal dorthin, mein Herr! Was ſehen Sie da an den Tafeln, denen wir das Glück haben, ganz nahe zu ſitzen?
Ich ſehe da den Kaiſer von Rußland und den König von Preußen, ſagte Herr von Sahla, einen düſtern Blick nach den Tafeln hinüber werfend.
Und was thun die beiden erlauchten Souveraine?
Sie eſſen von dem Braten, den man eben ihnen präſentirt hat!
Ja, ſie eſſen von dem Lammbraten, mit dem Deutſchland heute das Oſterfeſt ſeiner Auferſtehung feiert. Glauben Sie mir nur, dieſer Lammbraten iſt ziemlich hart und zähe, aber die Monarchen haben ſcharfe Zähne und ſie eſſen den Braten, den Deutſchland ihnen vor⸗ ſetzt. Sie werden auch noch mehr Lämmer verſpeiſen, denn ihre Zähne ſind ſcharf!
Und wo werden ſie dieſe Lämmer finden? fragte Herr von Sahla ganz leiſe und kaum hörbar.
Friederike Hänel neigte ſich dichter an ſein Ohr. Der Kaiſer von Rußland wird ſeine Lämmer in Polen finden, flüſterte ſie.
Und der König von Preußen?
Nun, der wird ſie in Sachſen ſuchen!
Aber er wird ſie dort nicht finden, murmelte Herr von Sahla, zuſammen zuckend, mit erbleichendem Antlitz.
Er wird ſie dort finden, wenn der weiſe und erhabene Wiener Congreß ihm dazu die Berechtigung giebt.
Er wird es nicht thun! rief Herr von Sahla faſt laut.
Wer wird ihn daran hindern?
Diejenigen eben, welche Sie genannt haben, die Herren des Wiener Congreſſes! Sie werden es nicht dulden, daß Preußen ſich widerrechtlich bereichere auf Koſten des armen, unſchuldigen Sachſens, das ſchon ſo viel gelitten, ſo viel geblutet hat. Sie werden unſern König Friedrich Anguſt nicht ſtrafen wollen, weil er nicht blos, wie


