Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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meinem höchſt ungelehrten und undiplomatiſch em Geplauder zu zer⸗ ſtreuen. Bei dieſem meinem erhabenen Freund hatte ich das Vergnügen, Sie heute Morgen zu treffen. Sie kamen, ihn um ein Billet für dies heutige Feſt zu erſuchen. Er hatte nur noch ein Billet zur Fremden⸗ Tribüne hier dicht neben mir. Ich bot mich an, Sie in meinem Wa⸗ gen mit hierher zu nehmen; wir ſind alſo als gute Freunde hierher gekommen, und damit wir es auch ferner bleiben, iſt es nöthig, daß wir einander über unſere Poſitionen aufklären, und uns ſagen, wer und was wir ſind. Ich habe das meinige gethan. Jetzt iſt an Ihnen die Reihe, und ich bitte Sie, mein Herr, machen Sie mir recht aller⸗ liebſte und offenherzige Geſtändniſſe, denn wir werden uns ſonſt von ganzem Herzen hier langweilen können.

Wie denn, langweilen? fragte Herr von Sahla erſtaunt. Sie theilen alſo nicht den allgemeinen Enthuſiasmus? Sie ſind nicht ent⸗ zückt, alle dieſe ſiegreichen Soldaten der Schlacht bei Leipzig, die Kaiſer, Könige und Fürſten zu ſehen, welche Deutſchland von dem Joch des Tyrannen befreiten?

Ach, die haben das gethan? fragte Friederike. Ich bildete mir ein, das deutſche Volk hätte das zu Stande gebracht, und die Leichen, welche auf den deutſchen Schlachtfeldern liegen, gehörten dem deutſchen Volk an, und die Ströme von Blut, welche vergoſſen worden, ſeien aus den Adern des lieben leichtgläubigen deutſchen Volkes gefloſſen. Aber Sie werden ſchon Recht haben, mein junger Freund, es wird bald heißen, daß dieſe paar Soldaten und dieſe Monarchen hier allein das große Werk der Befreiung zu Stande gebracht haben. Man wird die Soldaten mit erhöhtem Sold, mit Ordensbändern und Titeln be⸗ lohnen, man wird ſie Fürſten mit erbeutetem Land und neuen Unter⸗ thanen beſchenken, das wird die Arbeit des ſchönen Wiener Con⸗ greſſes werden, und vom lieben deutſchen Volk wird weiter gar keine Rede ſein.Der Mohr hat ſeine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen.

Ja, ja, man wird die Fürſten mit erbeutetem Land belohüen, murmelte Herr von Sahla leiſe vor ſich hin. Wehe ihnen aber, wehe, wenn ſie es annehmen!