Da haben Sie ein wundervolles Beiſpiel von der deutſchen Ein⸗ heit, flüſterte auf der Fremden⸗Tribüne eine junge Dame mit funkeln⸗ den Augen und lachendem Munde dem jungen, bleichen Mann in's Ohr, der neben ihr ſaß. Hören Sie nur, welche Diſſonanzen das ſind, und mit welchen Jammertönen ſie unſer Ohr zerreißen. Und doch ſind es nur die deutſchen Nationalhymnen, welche man uns da zum Beſten giebt. Der Congreß ſollte ſeine Thätigkeit damit beginnen, daß er den großen Beethoven, der ja auch hier in Wien anweſend iſt, ver⸗ anlaßte, eine deutſche Nationalhymne zu componiren, und daß er dann allen deutſchen Stämmen beföhle, dieſe Nationalhymne allein zur Ver⸗ herrlichung ihres kleinen Sonderpatriotismus abzuſingen. Das wäre doch der Anfang der deutſchen Einheit, die ſonſt von Congreßwegen nimmer und nimmer zu Stande kommen wird. Was meinen Sie zu meiner Idee, Herr von Sahla?
Ich meine, daß ſie gut iſt, gnädige Frau, ſagte der junge Mann mit einem ſanften Lächeln.
Die junge Dame runzelte die Stirn und ein zorniger Blick ihrer Augen traf den jungen Mann. Warum nennen Sie mich gnädige Frau? fragte ſie heftig, warum nennen Sie mich ſo, da Sie doch wiſſen, daß ich das nicht bin. Oder vermeint der edle, tugendreiche Calatravaritter, es ſei nöthig mir einen kleinen beſchönigenden Schleier überzuwerfen, damit die tugendhafte Welt nicht vor meinem wahren Antlitz zu erröthen habe? Fort, fort mit dem Schleier; ich erröthe nicht vor mir ſelber, und es iſt mir ganz gleichgültig, ob die tugendhafte Welt glaubt, es ſtatt meiner thun zu müſſen. Ein für alle Mal alſo, mein Herr, ich bin keine Frau, und am allerwenigſten eine gnädige Frau. Ich bin einfach und ohne Umſchweife die Demoiſelle Friederike Hänel, eines armen Uhrmachers älteſte, eheleibliche Tochter, zur Zeit noch unvermählt. Ich bin hierher gekommen, weil ich mir die tolle, närriſche Welt, die ſich die kluge und vernünftige dünkt, ein wenig an⸗ ſchauen und beobachten wollte, und weil der edle und erhabene Freund, der einen Sonnenſtrahl ſeines Herzens auf mich armes, zappelndes Menſchengewürm niederfallen läßt, meine Anweſenheit hier wünſcht, um nach den gelehrten, diplomatiſchen Conferenzen ſich ein wenig an
——
—————


