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anmuthiger Courtviſie vor ſeiner Gemahlin, der Kaiſerin Eliſabeth; der Kaiſer Franz grüßte ſeine Gemahlin, die Kaiſerin Ludovica, mit einem freundlichen Kopfnicken; der König Friedrich Wilhelm ließ ſeine Augen langſam an der Tribüne dahin gleiten, und wandte dann den traurigen, ſich verdüſternden Blick ernſt und ſeufzend zum Himmel empor.
In dieſem Moment traf das flammende Auge Alexanders das Antlitz ſeines Freundes, und mit einer raſchen Bewegung reichte er dem König, neben welchem er ritt, ſeine Hand dar.
Armer, theurer Freund, ſagte er innig, ich verſtehe den Schmerz Ihres edlen Herzens. Sie ſind traurig, und haben ein Recht dazu, denn Sie ſuchen vergehlich da drüben auf der Tribüne Ihre herrliche edle Gemahlin, und Sie ſind betrübt, weil Sie ſie nicht begrüßen können.
Sire, ſagte der König mit einem wehmüthigen Lächeln, ich habe meine Louiſe dennoch ſo eben begrüßt, nur ſuchte ich ſie nicht da drüben auf der Tribüne, ſondern da oben im Himmel.
Sie haben Recht, rief Alerander bewegt, die Königin Louiſe war ein Engel, welche wieder zum Himmel emporgeſtiegen iſt, und jetzt in ſeliger Verklärung auf uns niederſchaut, ſie—
Ein ſchmetternder Tuſch, von den hundert Tribünen der Muſici zu gleicher Zeit erſchallend, übertönte jedes Wort, und ward wiederum faſt übertönt von dem Jubelgebrüll der ſechszehntauſend Soldaten, an deren Tafeln die Monarchen jetzt eben langſam, freundlich grüßend nach beiden Seiten, dahin ritten.
Unter dieſem Geſchmetter der Fanfaren, dieſem Jubelgeſchrei der Soldaten und der Zuſchauer ſchwangen ſich die Fürſten von den Pferden und ſchritten jeder mit ihrem Gefolge zu den Tafeln hin, an denen ſie zu präſidiren hatten.
Und jetzt ſchmetterten hier an der Tafel des Kaiſers Alexander die Muſici die ruſſiſche Nationalhymne, dort an der Tafel des Kaiſers Franz ertönte Haydu's:„Gott erhalte Franz den Kaiſer“, hier an der Tafel des Königs Friedrich Wilhelm ſchallte das:„Heil Dir im Sieger⸗ tranz“, und weiterhin tönten die Volkshymnen von Baiern und Baden, von Württemberg und Braunſchweig, von Heſſen und Sachſen in einem rohwilden zerreißenden Chaos durcheinander.


