Iwan ſtürzte weinend hinaus, um für den Kaiſer einen lindernden Trank zu bereiten.
Napoleon wandte ſeine düſteren Blicke voll unendlicher Qual auf Maret und Caulaincourt hin, die weinend vor ihm knieten. Meine Freunde, ſagte er, ich ſuchte den Tod. Aber Ihr ſeht wohl, Gott will nicht, daß ich ſterbe. Er befiehlt mir zu leben und zu leiden.*)
Am andern Morgen nach dieſer Nacht des Schreckens erhob ſich der Kaiſer von ſeinem Lager, und ſein Antlitz, das in den letzten Tagen ſo düſter und traurig geweſen, hatte jetzt einen ruhigen, faſt heiteren Ausdruck angenommen.
Die Vorſehung hat noch andere Pläne mit mir, ſagte er leiſe vor ſich hin, ſie will nicht, daß ich ſterbe. Nun wohl denn, ſo werde ich leben. Dem Lebenden gehört die Zukunft!**)
Acht Tage ſpäter, am zwanzigſten April, verließ Napoleon Fon⸗ tainebleau, um in Begleitung der Commiſſaire der Verbündeten ſeine Abreiſe nach Elba anzutreten.
Auf dem Hofe des Palaſtes ſtanden ſeine Garden unter dem Schmuck der Waffen in voller Parade, mit den Standarten ihrer Adler und den wehenden Fahnen. Seitwärts von den Reihen der Krieger vor dem großen Portal ſtand der Reiſewagen des Kaiſers, daneben die fremden Commiſſaire, die ihn geleiten ſollten.
Aber bevor der Kaiſer abreiſte, wollte er noch Abſchied nehmen von ſeinen Getreuen.
Er trat mitten unter ſie, und mit lauter, feſter Stimme ſprach er:
„Soldaten meiner alten Garde, ich ſage Euch Lebewohl! Seit zwanzig
Jahren habe ich Euch immer auf dem Wege der Ehre und des Ruhmes gefunden. In den letzten Tagen, wie in den Tagen unſeres Glückes, niemals habt Ihr aufgehört, ein Muſter von Tapferkeit und Treue zu ſein. Mit Männern, wie Ihr ſeid, wäre unſere Sache nicht verloren
——— 6
Abrantès, Mémoires. XVIII. 33.— Due de Rovigoß Méwoires. VII.— Meneval, Mémoires. II. 308.— Fain: Manuscrit d *) Napoleons eigene Worte. Siehe; Bausset, Mémvires. 11 244
*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Gonstant, 2 ro. VI. p. 88.—


