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gegangen, aber der Krieg wäre unabſehbar geweſen; es wäre der Volkskrieg geworden, und Frankreich würde dadurch nur noch unglück— licher gemacht. Ich habe alle meine perſönlichen Intereſſen denen des Vaterlandes geopfert. Ich reiſe ab; Ihr, meine Freunde, fahret fort, Frankreich zu dienen. Frankreichs Glück war mein einziger Gedanke, er wird ſtets der Gegenſtand meiner heißen Wünſche bleiben. Beklagt mein Schickſal nicht; ich habe eingewilligt, mich zu überleben, denn ich will noch Eurem Ruhme dienen: ich will die großen Thaten nieder— ſchreiben, die wir zuſammen vollbracht haben. Lebt wohl, meine Kinder, ich wollte, ich könnte Euch Alle an mein Herz drücken!“
Er ließ die Adler herbeibringen, küßte ſie und fuhr fort:„Ich kann Euch nicht Alle umarmen, aber ich thue es in der Perſon Eures Generals! Lebt wohl, Soldaten, ſeid immer brav und gut!“
Die alten Krieger hatten keine andere Antwort, als Thränen und Schluchzen, ſie ſtreckten Napoleon ihre Hände entgegen, ſie baten ihn ſchluchzend, bei ihnen zu bleiben.
Auch des Kaiſers Augen ſtanden voll Thränen, er eilte zu ſeinem Wagen hin und ſprang hinein.
Der Wagen rollte donnernd über den Schloßhof hin, einem Ge⸗ witter gleich, das den Thron des ſtolzen Kaiſerreichs zerſchmetterte.


