—
717
Er warf ſich in den Lehnſeſſel und ſtarrte vor ſich hin, nur zu⸗
weilen ſchmerzlich aufſeufzend, aber ſchweigend, ohne Klage.——
und ſo ſchweigend, ohne Klage, aber düſter, in ſich verloren, blieb der Kaiſer den ganzen Tag. Zuweilen hatten es die wenigen Ge⸗ treuen, die ihm noch geblieben, gewagt, ihn anzureden, aber der Kaiſer, aus ſeinem Sinnen emporſchreckend, hatte nur ſie angeſtarrt, und dann langſam wieder ſein Haupt auf ſeine Bruſt geſenkt. Zur Zeit des Diners hatte Maret es verſucht, den Kaiſer zu bewegen, zur Tafel zu gehen. Aber Napoleon hatte ihm nur mit einem unwilligen Kopf⸗ ſchütteln geantwortet und hatte mit einem gebieteriſchen Wink nach der Thür ihn bedeutet, daß er allein ſein wolle.
Jetzt ſenkte ſich ſchon der Abend nieder und noch immer ſaß der Kaiſer allein in ſeinem Kabinet, bewegungslos, ſtarr vor ſich hin⸗ ſchauend.
Er hörte es nicht, wie ſich hinter ihm leiſe die Thür öffnete, er ſah nicht dieſe dunkle, verſchleierte Frauengeſtalt, welche leiſe einge⸗ treten war und jetzt, wie überwältigt von Schmerz, neben der Thür
an der Wand lehnte. Der ſchwarze Schleier hinderte ſie vielleicht, 2 Napoleon zu ſehen, ſie ſchlug ihn alſo zurück, und jetzt ward unter
demſelben Joſephinens bleiches, zuckendes Angeſicht ſichtbar. Ihre Augen hefteten ſich voll unausſprechlicher Zärtlichkeit auf den zu⸗ ſammengeſunkenen, bleichen Kaiſer hin, und wandten ſich dann zum Himmel empor mit einem Ausdruck inbrünſtigen Flehens; leiſe hob ſie die Arme empor und ihre Lippen bewegten ſich in leiſem, unhör⸗ barem Gebet.
Der Kaiſer bemerkte ſie noch immer nicht,— Joſephine ging ge⸗ räuſchlos über den Teppich hin und legte jetzt ſanft ihre Hand auf ſein geſenktes Haupt!*
Napoleon, flüſterte ſie leiſe, Napoleon!
Der Kaiſer ſtieß einen Schrei aus und ſprang auf. Joſephine, rief er, meine Joſephine! Oh, nun bin ich nicht mehr allein, meine Joſephine iſt wieder bei mir!
Er zog ſie mit leidenſchaftlicher Innigkeit in ſeine Arme, er küßte ihre Augen, ihre Lippen, ihre Stirn, er nahm ihr von Thränen über⸗


