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blitzenden Angen auf ihn, als wolle er aus ſeinem bleichen, verlegenen Angeſicht die geheimſten Gedanken ſeiner Seele leſen.
Berthier, ſagte er mit weicher, bittender Stimme, Sie ſehen, wie ſehr ich des Troſtes bedarf, wie nothwendig es für mich iſt, wahre und treue Freunde um mich zu haben! Sie werden alſo morgen zurück⸗ kehren, nicht wahr, ſchon morgen?
Sire, gewiſ ſchon morgen, ſtammelte Berthier.
Napoleons Blick haftete noch immer auf dem bleichen, verwirrten Angeſicht des Fürſten.
Berthier, ſagte er nach einer Pauſe, wenn Sie mich verlaſſen wollen, ſo ſagen Sie es offen und frei heraus.
Sire, ich Sie verlaſſen? rief Berthier heftig. Ew. Majeſtät wiſſen wohl, daß ich mit unverbrüchlicher Treue an Ihnen hänge, daß mein Herz Ew. Majeſtät niemals vergeſſen wird, daß ich ewig Ihr ergebener und gehorſamer Diener ſein werde.
Worte, Worte, ſagte Napoleon kopfſchüttelnd. Nun denn, Sie wollen es, gehen Sie alſo nach Paris. Beſorgen Sie dort die An⸗ gelegenheiten, die Ihnen mehr am Herzen liegen, als meine Wünſche und meine Bitten. Gehen Sie, und— wenn Sie können, ſo kommen Sie bald zurück.
Berthier wollte des Kaiſers Hand faſſen und ſie an ſeine Lippen drücken, aber der Kaiſer entzog ſie ihm haſtig, und ſie emporhebend deutete er mit einem gebieteriſchen Blick auf die Thür hin.
Berthier verneigte ſich, und rückwärts gehend, geſenkten Hauptes näherte er ſich der Thür und ging hinaus.
Der Kaiſer ſchaute ihm nach mit einem langen düſtern Blick, dann wandte er ſein Haupt langſam nach dem Herzog von Baſſano um.
Maret, ſagte er langſam, Berthier kommt nicht zurück!
Wie, Sire, rief Maret entſetzt, Ew. Majeſtät glauben—
Ich weiß es, ſagte Napoleon langſam, Berthier kommt nicht zurück!*)
³) Berthier kam wirklich nicht nach Fontainebleau zurück, ſondern blieb in Paris und trat in die Dienſte Ludwigs des Achtzehnten.


