Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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Gefangener in Fontainebleau. Ich werde in Elba wenigſtens frei ſein, ich werde meine Tapfern der alten Garde um mich haben, ich werde meine Gemahlin und meinen Sohn wieder ſehen. Das heißt, mur⸗ melte er düſter vor ſich hin, das heißt, wenn ihr Vater es ihnen er⸗ laubt. Denn ohne ſeine Erlaubniß wird ſie es nicht thun. Louiſe iſt ja Prinzeſſin von Oeſterreich und ſie iſt alſo im Gehorſam erzogen. Oh Gott, Gott, ich hatte mich ſo ſehr nach dem Troſt ihrer Gegen⸗ wart geſehnt. Sie hätte mich nicht allein laſſen ſollen in dieſen Tagen! Er neigte ſein Haupt und ſtarrte vor ſich hin und ganz leiſe mur⸗ melten ſeine Lippen: Joſephine hätte es nicht gethan! Joſephine wäre mit mir in die Verbannung gegangen!

Lange ſaß er ſo da, in ſich gekehrt, ſchweigend, den Stimmen der Erinnerung lauſchend, welche zu ihm flüſterten von der Vergangenheit und von Joſephinen. Aber er wollte, er durfte dieſe Stimmen nicht mehr hören, er fühlte, daß ſie ihn weich machten, daß ſie ſein ſo mühſam aufrechtgehaltenes Herz brächen.

Nach einer ungeſtümen Bewegung ſprang er auf und rief, das Haupt ſtolz zurückwerfend: nun denn, ich habe mein Geſchick ange⸗ nommen und ich will es ertragen. Wir werden alſo nach Elba gehen! Ihr werdet mich begleiten, meine Freunde, ich werde alſo nicht allein ſein? Nicht wahr, Maret und Berthier, Ihr verlaßt mich nicht?

Sire, ich folge Ew. Majeſtät bis an's Ende der Welt, ſagte Maret innig.

Ich kenne kein ſchöneres Loos, als der treue Diener Ew. Majeſtät zu ſein und zu bleiben, rief Berthier emphatiſch. Ich danke Ew. Majeſtät, daß Sie mir erlauben wollen, Sie nach Elba zu begleiten, und ich nehme mit Freuden Ihre Erlaubniſt an. Nur habe ich dazu noch einige nothwendige Vorbereitungen zu treffen, noch einige Familien⸗ angelegenheiten zu ordnen. Ich bitte Ew. Majeſtät daher, daß Sie mir gnädigſt auf zwei Tage Urlaub geben, damit ich meine Vorkehrungen treffe und die nöthigen Geſchäfte beſorge.

Der Kaiſer hatte, während Berthier ſprach, ihn mit erſtaunten, ſchmerzvollen Blicken betrachtet, jetzt ſchritt er raſch zu ihm hin und ihm die Hand auf die Schulter legend, heftete er ſeine ſcharfen,