Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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ihrem Sohn die Erbfolge deſſelben geſichert, ſolle nichts ſie abhalten von ihrer Wiedervereinigung mit ihrem geliebten Gemahl, und wenn Ew. Majeſtät ſich entſchließen wollten, die Inſel Elba anzunehmen, ſo würde die Kaiſerin ſicherlich ſich auch bald dorthin begeben. Die Kaiſerin ſchlug vor, daß, da ihr der unmittelbare Briefwechſel mit Ew. Majeſtät unterſagt ſei, ſie Beide durch ihre Kabinetsſecretaire mit einander verkehren möchten, daß Ew. Majeſtät durch den Baron Fain Alles, was Sie wünſchten, das Ihro Majeſtät erfahren ſollten, an den Herrn von Meneval ſchreiben ließen, und daß die Kaiſerin es ebenſo mit Herrn von Meneval machen werde.

Eine ächt frauenhafte Liſt, ſagte Napoleon düſter vor ſich hin. Sie hat keinen Muth, und ſie liebt mich nicht genug, um ihrem Vater Trotz zu bieten. Berthier, fragte er dann laut, Berthier, ſahen Sie den König von Rom? Sahen Sie meinen Sohn?

Nein, Sire, man verweigerte es mir den Prinzen zu ſehen, man fürchtete, es werde ihn zu ſehr aufregen, und ihn zu ſehr an die Ver⸗ gangenheit erinnern. Denn der König von Rom verlangt immer nach ſeinem Vater!

Er verlangt nach ſeinem Vater, rief der Kaiſer ſchmerzvoll, und ſein Vater kann ihn nicht ſehen, kann ihn nicht zu ſich rufen! Oh, Berthier, das thut weh, ſehr weh!

Aber Ew. Majeſtät werden bald mit ihm vereinigt werden, ſagte Maret innig. Unterzeichnen Sie die Entſagungsacte, gehen Sie nach Elba, Sire, und Niemand kann die Kaiſerin verhindern, mit ihrem Sohn zu Ihnen zu kommen. Sie will es und ſie hat ein heiliges Recht, ihren Willen auszuführen.

Nun denn, es ſei, ſagte der Kaiſer hochathmend. Ich will Alles unterzeichnen. Ich will entſagen, ich will auch dieſen zweiten Tractat hier unterzeichnen, der mich zum Kaiſer von Elba macht! Ich will meine Gemahlin und meinen Sohn wieder haben!

Er trat raſch zu dem Tiſch hin und, die Feder nehmend, unter⸗ zeichnete er mit feſter und ſicherer Hand die beiden Aktenſtücke.

Gut, ſagte er, die Feder weit hinein ſchleudernd in das Zimmer,

ich bin jetzt nicht Kaiſer von Frankreich mehr, aber auch nicht mehr