Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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bleiche, finſtere Angeſicht wußte Napoleon, daß Berthier mit ſeiner Sendung geſcheitert ſei, und wieder ſeufzte er tief auf.

Nun, Berthier, ſagte er dann, ſich gewaltſam aufraffend. Sprechen Sie, ſagen Sie mir Alles. Sie haben die Kaiſerin geſehen?

Ja, Sire, ich habe ſie geſehen. Ich traf Ihro Majeſtät im Be⸗ griff, von Orleans abzureiſen.

Ach, ſie kommt alſo hierher, rief Napoleon freudig.

Nein, Sire. Sie hatte am Tage zuvor den Beſuch des Fürſten Metternich empfangen, und dieſer hatte ihr eigenhändige Briefe ihres Vaters, des Kaiſers von Oeſterrcich, überbracht. In dieſen Briefen

hatte der Kaiſer von ſeiner Tochter gefordert, daß ſie ſich nach Ram⸗

bouillet begebe, wo der Kaiſer mit ihr zuſammentreffen wolle.

Und Louiſe hat es angenommen?

Ja, Sire. Ihro Majeſtät ſagte mir mit Thränen, daß ihr keine andere Wahl geblieben, als ſich dem Willen ihres Vaters zu unter⸗ werfen, weil ſie nur durch ſeine Vermittelung hoffen könne, das Schickſal ihres Sohnes und ihr eigenes zu ſichern. Sie beklagte es, daß ihr nicht geſtattet ſei, nach Fontainebleau zu kommen, aber ſie habe es dem Fürſten Metternich, der im Namen des Kaiſers ſie darum erſucht,

feierlich verſprochen, vor der Entſcheidung über ihre Zukunft Ew. Ma⸗ jeſtät weder zu ſehen, noch in directem Briefwechſel mit Ew. Majeſtät zu bleiben.

Und ſie hat dieſe unwürdige Zumuthung nicht mit Entrüſtung ab⸗ gelehnt? rief der Kaiſer. Sie hat ſich nicht erinnert, daß ſie mein Weib iſt, und daß ſie mir Treue geſchworen hat?

Sire, die Kaiſerin ſagte, ſie dürfe ſich jetzt, um ihres Sohnes willen, nut als Prinzeſſin von Oeſterreich fühlen, und die Prinzeſſinnen von Oeſterreich würden alle erzogen im unbedingten und widerſtand⸗ loſen Gehorſam gegen die Befehle des Kaiſers, ihres Vaters.*) Sie gehorche alſo jetzt ihrem Vater, um dafür ſpäter das Glück haben zu

können, Ew. Majeſtät wieder ganz anzugehören. Denn ſobald nur

ihre Zukunft geſichert, ſobald man ihr das Herzogthum Parma und

*) Meneval: Mémoires ete. IH. 80.