worten auf ſeine Briefe ausgeblieben. Doch der Kaiſer mißtraute ihr nicht, er wußte, daß Marie Louiſe ihn liebe. Sein Herz verlangte nur nach ihr, und es hatte nur unausſprechliche Sehnſucht nach dem blondgelockten Haupte ſeines Kindes.
Er hatte geſtern Berthier mit einem Briefe nach Orleans zu Marie Louiſen geſandt. Berthier ſollte ihm ſagen, was ſeine Gemahlin denke und wünſche, Berthier ſollte, wenn ſie den Muth hätte, es zu wollen und ihr Recht in Anſpruch zu nehmen, Berthier ſollte ſie zum Kaiſer nach Fontainebleau begleiten, und von dort aus ſollte Marie Louiſe ihrem Vater erklären, daß ſie es als ihr heiliges Recht fordere, mit ihrem Kinde bei ihrem Gemahl zu bleiben.
Das hoffte Napoleon, das erwartete er von ſeiner Gemahlin, und darum war er jetzt ſo voll Unruhe und Seelenangſt, denn er ſah der Rückkehr Berthiers entgegen, und er hoffte, Marie Louiſe werde ihn begleiten.
Nicht früher wollte er die Entſagungsacte unterzeichnen, Marie Louiſens Liebe, der Anblick ſeines Sohnes ſollte ihm Kraft dazu geben.
Er ſtarrte auf die Schrift hin, und indem er dieſe Worte der Schmerzen las, dachte er an die Tage, welche geweſen, an die Tage, wo Europa zu ſeinen Füßen gelegen, und wo auch er kein Erbarmen und kein Mitleid gehabt hatte.
Die Thür des Kabinets ward jetzt leiſe geöffnet und der Herzog
von Baſſano trat ein. Napoleon fuhr haſtig aus ſeinem Sinnen empor
und ſprang auf. Maret, rief er, Sie kommen mir zu ſagen, daß Ber⸗ thier wieder da iſt, nicht wahr?
Ja, Sire, er iſt da.
Und er— er iſt allein?
Ja, Sire, er iſt allein.
Napoleon ſeufzte. Laſſen Sie Berthier eintreten, ſagte er, aber bleiben Sie hier.
Maret trat zur Thür und öffnete ſie. Der Prinz von Neufchatel trat ein, aber nicht mit heiterem, offenem Geſicht, ſondern geſenkten Hauptes, traurig und ſchweigend. Mit einem einzigen Blick auf dieſes gebeugte Haupt, auf dieſes


