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rung übergeben und mit ihm über die Zukunft meines Sohnes und die Regentſchaft meiner Gemahlin unterhandeln!
Wieder durchlebte Napoleon jetzt einen Tag der Qual, der peini⸗ genden Ungeduld. Er hatte die Marſchälle und den Herzog von Vi⸗ cenza nach Paris abgeſchickt, um ſeine Thronentſagung zu verkünden, und er erwartete die Entſcheidung.
Aber dieſes Mal ſollte die Entſcheidung nicht lange auf ſich warten laſſen.
Am ſiebenten April trat der Herzog von Vicenza bleich, mit trau⸗ rigen Mienen in das Kabinet des Kaiſers ein.
Caulaincourt, rief Napoleon, Sie waren bei Alexander? Sie haben ihm meine Thronentſagung übergeben?
Ja, Sire, wir waren bei dem Kaiſer Alexander, ſagte Caulain⸗ court traurig. Ach, Sire, ich bin der Bote ſchlimmer Nachrichten, und meine Lippen ſträuben ſich, ſie auszuſprechen.
Reden Sie, Caulaincourt, rief Napoleon. Ich habe den Muth, Alles zu hören, haben Sie alſo den Muth, Alles zu ſagen. Ich will die ganze, volle Wahrheit wiſſen.
Nun denn. Sire. Es iſt Alles verloren. Der Kaiſer Alerander hat heute eine öffentliche Erklärung ergehen laſſen, die in Paris an allen Ecken angeſchlagen iſt, daß er weder mit„Bonaparte, noch mit einem Mitglied ſeiner Familie,“ irgend in weitere Unterhandlungen treten will.
Ach, der Treuloſe, murmelte Napoleon, er hat mir einſt ewige Freundſchaft und Treue geſchworen. Weiter, Caulaincourt, weiter! Was ſagt die ſogenannte proviſoriſche Regierung, deren Vorſitzender Herr Talleyrand iſt, der verrätheriſche Prieſter, den ich groß gemacht, den ich zum Fürſten erhoben, den ich mit Ehrentiteln und Würden überhäuft habe, und der jetzt der Führer der Royaliſten geworden iſt? Was ſagt Herr Talleyrand, und die proviſoriſche Regierung, und der Senat, den ich ernannt habe, und der mir den Eid der Treue ge⸗ ſchworen hat?
Sire, der Senat hat gerade geſtern, am ſechſten April, feierlich erklärt, daß der Kaiſer Napoleon des Thrones verluſtig ſei, weil er


