Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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Geben Sie Frankreich den Frieden, nach welchem es ſeit fünfund⸗ zwanzig Jahren vergeblich ſchmachtet, rief Macdonald.

Der Kaiſer hatte ſeine flammenden Blicke jedem der Marſchälle, welcher ſprach, zugewandt, und vor dieſen Blicken hatte Jeder von ihnen die Augen niedergeſchlagen.

Jetzt, nachdem ſie Alle geſprochen, trat eine bange, athemloſe Stille ein. Plötzlich durchſchritt Napoleon haſtig das Zimmer und trat zu ſeinem Schreibtiſch hin.

Noch einen letzten Blick voll Stolz, Verachtung und Zorn warf er hinüber auf ſeine vier Marſchälle, dann ſetzte er ſich, nahm mit feſter Hand eine Feder und ſchrieb.

Die Marſchälle ſtanden ſchweigend da und blickten mit düſteren, verlegenen Mienen hinüber zum Kaiſer.

Jetzt warf Napoleon die Feder hin, und indem er aufſtand, nahm er das Papier, auf welchem er geſchrieben, und rief mit einem Wink ſeiner Augen den Marſchall Ney zu ſich heran.

Hier, Herr Fürſt von der Moskwa, ſagte Napoleon. Leſen Sie den Marſchällen vor, was ich geſchrieben.

Ney nahm das Papier, und mit zitternder Stimme las er:Da die verbündeten Mächte verkündet haben, daß der Kaiſer Napoleon das einzige Hinderniß des Friedens in Europa iſt, ſo erklärt der Kaiſer Napoleon, treu ſeinem Eid, daß er bereit iſt, vom Throne zu ſteigen und Frankreich zu verlaſſen, ja ſogar das Leben zum Wohl des Vater⸗ landes hinzugeben, vorausgeſetzt, daß man die Rechte ſeines Sohnes und der Regentin Marie Louiſe, ſowie die Geſetze des Landes aufrecht und unverletzt erhält.*)

Ihr habt es gewollt, Euer Wille iſt geſchehen, ſagte Napoleon, nachdem Ney geleſen. Die Herren Marſchälle Macdonald und Ney werden in Begleitung Caulaincourts ſich mit dieſem Schreiben nach Paris begeben. Sie werden unterwegs den Marſchall Mortier auf⸗

ſuchen und ihn auffordern, Sie nach Paris zu begleiten. Die vier Herzöge werden ſich zum Kaiſer Alerander begeben, ihm meine Erklä⸗

*) Fain, Manuscrit de 1814. 45*