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fortſetzen ſoll. Die Finanzen ſind erſchöpft, und ſie werden ſich nicht wieder herſtellen, denn das Volk hat keine Hülfsquellen mehr, um ſich zu ernähren und die Steuern zu zahlen. Unſere Aecker ſind unbeſtellt, unſere Fabriken ſtehen ſtill. Unſere Magazine und Kaufhallen ſind geſchloſſen, unſer Handel und Verkehr liegt darnieder, denn Frankreich hat kein Geld, keinen Credit und keine Arbeitskraft mehr. Welche Mittel haben Ew. Majeſtät, um Frankreich ſeinem großen Unglück zu entreißen?
Ich habe nur das eine Mittel: den Feind morgen anzugreifen, ihn, der das ganze Elend Frankreichs veranlaßt hat, aus Frankreich zu vertreiben, und Frankreich alſo den Frieden zu geben, ſagte Napo⸗ leon würdevoll.
Sire, Frankreich iſt des Kampfes müde, rief Ney, es will den Frieden auch ohne Kampf!
Iſt das auch Ihre Meinung, meine Herren Marſchälle? fragte der Kaiſer haſtig.
Ja, Sire, das iſt auch unſere Meinung, riefen die Marſchälle wie aus einem Munde.
Nun denu, ſagte Napoleon nach kurzem Beſinnen, wiſſen Sie ein Mittel, Frankreich den Frieden auch ohne Kampf zu geben?
Die Marſchälle ſchwiegen; es ſchien, ihre Lippen ſcheuten ſich, die Gedanken ihrer Seele auszuſprechen. Aber der Fürſt von der Moskwa, Marſchall Ney, überwand dieſe Scheu.
Sire, ſagte er, die Allirrten haben in ihrer Proclamation geſagt, daß es nicht Frankreich ſei, gegen welches ſie Krieg führten.
Nicht Frankreich, ſondern ich, rief Napoleon. Ach, Ihr kommt, mir eine Abdankung vorzuſchlagen?
Wir kommen, Ew. Majeſtät zu beſchwören, daß Sie Frankreich ein letztes großes Opfer bringen möchten, ſagte Marſchall Ney.
Sire, rief Oudinot, möge Ihre Heldenſeele zum Wohle Frank⸗ reichs ſich ſelbſt beſiegen und ihm den Frieden geben.
Sire, nehmen Sie den Fluch von dem armen, darniedergebeugten Frankreich, und es wird Sie ewig ſegnen, ſagte Lefebre.


