Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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Nein, er wird nicht freiwillig ſterben, wiederholte Macdonald. Aber die Millionen Soldaten, die auf den Schlachtfeldern gefallen, ſind auch nicht freiwillig geſtorben, Napoleon hat ſie in den Tod ge⸗ jagt. Jetzt iſt er auch nicht mehr als ein bloßer Soldat; wären wir zu tadeln, wenn wir, um Frankreich zu retten, ihn in den Tod jagten?

Aber wie wollen wir das fragte Lefebre. Er hat hier Caulaincourt, Berthier und Maret, die drei Seiden des neuen Cä⸗ ſars, die wohl im Stande wären, gleich dem Antonius den blutigen Mantel Cäſars dem Volke zu zeigen, und uns ein Loos zu bereiten, wie es Caſſius und Brutus geworden. Ich habe nicht Luſt, mein Haus brennen zu ſehen und flüchten zu müſſen.

Man muß es alſo nicht machen, wie die Generäle des erſten Brutus es gemacht haben, ſagte Ney düſter. Wie ein Halbgott hat er gelebt, wie ein Halbgott muß er ſterben. Keine Spur von ihm muß bleiben, zum Himmel und zu den Göttern muß er emporſteigen, wie Romulus.

Ja, keine Spur muß bleiben, ſagte Macdonald düſter. Ueber⸗ legen wir, was zu thun iſt.

Sie neigten ihre Köpfe dichter aneinander und flüſterten leiſe, ſo leiſe und dumpf, daß ſie kaum ſelbſt einander verſtanden. Dann, nach einer langen geheimen Berathung, nickten ſie einander zu, als wären ſie einig über das, was zu thun ſei, und als gäbe es jetzt keine Zweifel und keine Bedenken mehr.

Caulaincourt, Bertrand und Maret allein ſind zu fürchten, ſagte Oudinot laut. Wenn ſie nicht ſchweigen wollen, muß man ſie zum Schweigen zwingen. Und Berthier? Was machen wir mit Berthier?

Wir ſagen es ihm, wenn Alles vorüber iſt, ſagte Macdonald achſelzuckend. Berthier iſt nicht zu fürchten, er hat ein Herz von Baum⸗ wolle und einen Kopf von Wind.

Alle lachten; dann ſagte Oudinot mit ernſter, grollender Stimme: Es iſt Zeit, daß wir zum Abſchluß kommen. Wir ſind ſchon im Mo⸗ nat April, und noch immer iſt nichts entſchieden; der Kaiſer von Ruß⸗ land wird ungeduldig, und der zukünftige König von Frankreich wird es uns nie vergeben, wenn wir ſeine Heimkehr nach Paris verzögern.