Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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Jetzt war es acht Uhr Morgens und die zur Ehre des Einmarſches auserleſenen Truppencorps der Verbündeten ſtanden bereit. Ein glän⸗ zender Generalſtab aus hunderten von ruſſiſchen, öſterreichiſchen, preu⸗ ßiſchen, württembergiſchen, baieriſchen und ſchwediſchen Generälen be⸗ ſtehend, erwartete die Ankunft des Kaiſers von Rußland und des Königs von Preußen. Sobald dieſe erfolgt war, ſollte die Feierlichkeit des Einzugs in Paris beginnen.

Auch der Feldmarſchall Blücher wollte, trotz ſeiner ſchmerzenden Augen, trotz des Fiebers, das ſeine Adern durchraſte, mit den Monarchen ſeinen Einzug in Paris halten.

Er hatte ſich, mühſam ſeine Schmerzen unterdrückend, mit Gewalt ſich in ſeinem Fieber aufrecht erhaltend, von ſeinen Dienern ankleiden laſſen. Jetzt war die Toilette vollendet und in der Galla⸗Uniform des Feldmarſchalls, die Bruſt bedeckt mit funkelnden Orden, trat Blücher aus ſeinem Schlafzimmer hervor und befahl, ihm ſofort den Pipen⸗ meiſter Chriſtian Hennemann zu rufen.

Chriſtian, rief er dem Eintretenden entgegen, ich bin nun fertig, und ich denk', ich ſeh' recht ſtattlich aus. Aber den letzten Schmuck an meiner Toilette, den mußt Du noch beſorgen. Du haſt ihn er⸗ beutet, und alſo mußt Du'n mir auch anleßen.

Was für'n Schmuck denn, Excellenz? fragte Chriſtian erſtaunt.

Na, den Augenſchirm, Chriſtian! Komm her und putze mich.

Er hielt Chriſtian den ſeines Kopfes beraubten Damenhuͤt dar und ließ ſich auf einem Stuhl nieder. Der Pipenmeiſter nahm den Hut und ließ ihn zierlich über den Kopf des Feldmarſchalls niedergleiten, ſo daß aus dem hohlen Raum des Schirms ſein kahler Schädel wie ein bon einem grünen Hof umgebener Vollmond recht anmuthig hervor⸗ glänzte. Dann ſtülpte er bedachtſam und vorſichtig den mit der wal⸗ lenden Feder und den goldenen Treſſen geſchmückten Feldmarſchallshut darüber.*)

So, nun bin ich fertig, ſagte Blücher aufſtehend, nun kann es losgehen!

*) Varnhagen: Fürſt Blücher. S. 382.