Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

,

.

10

683

immer noch loszumachen ſuchte. Das hat mein Papa nicht befohlen, er ſagt, daß man niemals vor dem Feind fliehen muß. Ich will nicht fort, ich will nicht fliehen!

Kommen Sie, Sire, kommen Sie! rief Herr von Comiſy und eilte raſch der Thür zu.

Ich will nicht! ich will nicht! ſchrie der Knabe, und in tödtlicher Angſt klammerte er ſich an die Thür feſt. Aber Frau von Montes⸗ quivu machte, weinend und vergeblich bemüht, den Prinzen mit ſanften, flehenden Worten zu tröſten, ſeine kleinen eiskalten Hände von der Thür los und Herr von Comiſy eilte weiter. Der ganze Hof, die ganze Reiſebegleitung drängte vorwärts, der Kaiſerin und dem König von Rom nach.

Bald war der große, glänzende Saal leer, Niemand befand ſich mehr darin, aber die ſchweigenden öden Räume durchhallte noch das in der Ferne ſich verlierende Jammergeſchrei des kleinen Königs von Rom.

Doch all ſein Jammern und Sträuben war umſonſt. Vergebens flehte er, daß man ihn frei laſſen ſolle, vergebens rief er, daß er ſein Haus nicht verlaſſen wolle, vergebens hielt er ſich an den Draperieen, am Treppengeländer feſt,— Herr von Comiſy durfte kein Mitleid mit ihm haben, der Wille der Kaiſerin mußte erfüllt werden!—

Endlich war Alles zur Abreiſe geordnet und Jedermann hatte ſeinen Platz eingenommen. Eben ſchlug die große Glocke vom Uhr⸗ thurm der Tuilerien elf Uhr, als der Wagen der Kaiſerin ſich in Be⸗ wegung ſetzte und langſam über den großen Hof hinfuhr. Aus dem Innern des Wagens hörte man noch immer das Weinen des Königs von Rom, der neben der Kaiſerin ſaß, und in welchem außerdem noch die Oberhofmeiſterin der Kaiſerin, die Herzogin von Montebello, und die Gouvernante des Königs ſich befanden. Hinter dieſem Wagen der Kaiſerin folgten neun andere Kutſchen, alle mit dem kaiſerlichen Wappen, dann folgten eine Menge Bagagewagen und der ganze Train eines glänzenden Hofes. Der Wagenzug, der ſich langſam fortbewegte, nahm die ganze ungeheure Länge des großen Tuilerienhofes ein.

Jetzt fuhr der Wagen der Kaiſerin durch das große Eiſengitter. Ein kleiner Trupp Neugieriger, etwa hundert Perſonen, ſtanden neben