676
1V. Abreiſe Marie Touiſens.
An demſelben Tage, und faſt zur ſelben Stunde des neunund⸗ zwanzigſten März, während der Kaiſer alle ſeine Truppen zum eiligen 4 Marſch nach Paris aufbot, fand bei der Kaiſerin, ſeiner Gemahlin, in den Tuilerien zu Paris eine Scene ganz anderer Art ſtatt.
Der Kaiſer wünſchte in verzweiflungsvollem Seelenſchmerz ſich Flügel, um nach Paris zu kommen, die Kaiſerin wünſchte in tödtlicher Angſt ſich Flügel, um von Paris fort zu kommen. Denn vor den Thoren von Paris ſtand der Feind, und ſchon ſprach man davon, daß die Stadt ſich ihm übergeben oder mit Sturm genommen werden ſolle.
Noch nannte Marie Louiſe dieſe Verbündeten, welche den Thron ihres Gemahls, das Erbe ihres Sohnes bedrohten, noch nannte ſie dieſelben ihre Feinde, obwohl ihr eigener Vater zu den Verbündeten gehörte.
Noch dachte die Gemahlin Napoleons, daß es ihre Pflicht ſei, bei ihrem Gemahl auszuharren, den Wechſelfällen des Schickſals mit ihm vereint zu trotzen und ſeinem Willen allein ſich zu fügen.
Der Kaiſer aber hatte gewollt, daß ſeine Gemahlin und ſein Sohn nicht in Paris bleiben ſollten, wenn ihnen daſelbſt Gefahr drohe. Als man in den Tuilerien die Nachricht erhalten, daß die Verbündeten vor den Mauern von Paris ſtänden und die Stadt bedrohten, als man einſah, daß die Corps von Marmont und Mortier nicht ſtark genug wären, um den großen Armeen der Feinde einen langen Widerſtand entgegenzuſetzen, da hatte der König Joſeph, der„Lieutenant des Kai⸗ ſers“, die Negentin Marie Louiſe und den Regentſchaftsrath zu einer gemeinſchaftlichen Berathung aufgefordert, um über die Frage zu ent⸗ ſcheiden, ob die Regentin mit ihrem Sohn in Paris bleiben oder die Stadt verlaſſen ſolle.
Man hatte die Wahl in Marie Louiſens Hände gelegt. Aber die Regentin hatte erklärt, nicht ihr ſtände die Entſcheidung zu, denn dazu
.


