Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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faßt er es mit ſeinen Zähnen und zerreißt es in kleine Stückchen, und ſtreut dieſe Stücke in den Wind.

Niemand außer ihm ſoll den Inhalt dieſes Papieres erfahren. Dieſer Inhalt aber lautete:„Die Anhänger der Fremden, aufgemun⸗ tert durch den Abfall von Bordeaux, heben das Haupt empor; geheime Kunſtgriffe unterſtützen ſie. Des Kaiſers Gegenwart iſt nothwendig, wenn er verhindern will, daß die Hauptſtadt dem Feinde übergeben werde. Es iſt kein Augenblick zu verlieren.“*)

Vorwärts, vorwärts! donnert jetzt die Stimme des Kaiſers. Wir müſſen eilen, nach Paris zu kommen, und ſchon morgen müſſen wir dort ſein!

Vorwärts geht es im Sturmſchritt. Voran der Kaiſer mit der Reiterei ſeiner Garde. Sein Antlitz iſt immer noch ruhig, kalt und undurchdringlich. Aber zuweilen zuckt es, wie ein Blitz, über daſſelbe hin, zuweilen leuchtet es unheimlich auf in ſeinen düſter beſchatteten Augen, die immerfort geradeaus gerichtet ſind, geradeaus nach Paris hin, nach der Stadt, wohin der Kaiſer fliegen möchte auf den Schwingen des Adlers, und zu der er jetzt dahin zieht im ſtrömenden Regen, unter zuckenden Blitzen, unter dem Rollen des Donners.

Wieder fliegt ein Eilbote daher, und mit athemloſer Haſt fragt er nach dem Kaiſer.

Meldet mich ihm, meldet mich! Der Lieutenant von Paris, König Joſeph, der Bruder des Kaiſers, ſendet mich.

Man führt den Athemloſen zum Kaiſer hin, der ihn mit ſeinem kalten Blick, ſeinem ruhigen Angeſicht empfängt. Nachrichten von mei⸗ nem Bruder aus Paris? fragt der Kaiſer. Geben Sie Ihre Depeſche.

Sire, ich habe keine; es war keine Zeit zu verlieren. Depeſchen lönnen verloren gehen, können gefunden werden, wenn man verhaftet wird; das Gedächtniß verräth nichts. In bin in vierzehn Stunden von Paris hierher geritten. Hier iſt meine Beglaubigung, der Siegel⸗ ring des Königs Joſeph.

Ich erkenne ihn. Sprechen Sie jetzt!

*) Fain, Manuscrit de 1814. 101. Mühlbach, Napoleon. Bd. III.