Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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Gemahlin nicht zu erwecken, aber heute, in dieſer ſtillen Stunde des Alleinſeins mit ſeinem ſchlafenden Kinde, heute gedachte Napoleon Jo⸗ ſephinens mit einer wehmüthigen Zärtlichkeit. In dieſem tiefen Schwei⸗ gen, das ihn umgab, ſprachen ſeine Erinnerungen zu ihm. Sie zeigten ihm Joſephine in dem unvergänglichen Glanz ihrer Liebe, ihrer An⸗ muth und Güte, er glaubte ihr holdes Antlitz zu ſehen, das ſtets für ihn ein Lächeln gehabt, ihre wunderbaren, glänzenden Augen, die ihn niemals anders als zärtlich angeblickt, und die es verſtanden, ſeine ge⸗ heimſten Gedanken auf der Tiefe ſeines Herzens zu leſen.

Arme Joſephine, murmelte er leiſe, arme Joſephine! Sie hat mich ſehr geliebt, Vieles möchte anders ſein, wenn ſie noch an meiner Seite wäre. Sie war mein guter Engel und mit ihr iſt mein Glück unter⸗ gegangen. Sie hat mir und meinem Stolz das Glück ihres Lebens geopfert, und während ſonſt an dieſem Tage ſich Alles drängte, um der Kaiſerin Huldigungen und Glückwünſche darzubringen, ſitzt ſie jetzt einſam und verlaſſen in Malmaiſon. Nein, ſagte er ganz laut, nein, ſie ſoll nicht verlaſſen ſein! Ich bin es ihr wohl ſchuldig, ihr einen Moment der Freude zu bereiten! Sie ſoll meinen Sohn ſehen, ich ſelbſt will ihn ihr zuführen!

Er hob den Knaben ſorgſam in ſeinen Armen empor und ſtand auf. Das Kind erwachte und ſchaute mit ſeinen großen blauen Augen lächelnd zu ſeinem Vater empor, der es zum Divan hintrug und es mit zärtlicher Sorgfalt auf die Polſter niederlegte.

Aber der kleine Napoleon ſprang haſtig empor und ſagte lachend: Ich bin nicht mehr müde. Die Herren Herzöge ſind fort, jetzt wollen wir ſpielen, Papa!

Nein, Sire, ſagte der Kaiſer, jetzt nicht, jetzt habe ich Geſchäfte. Aber heute Mittag will ich mit Ihnen, hören Sie, mit Ihnen ganz allein eine Spazierfahrt machen. Das ſoll mein Neujahrsgeſchenk ſein.

Der Knabe jauchzte laut auf und nickte ſeinem Vater mit einem köſtlichen Lachen zu. Ganz allein, Papa Kaiſer, ganz allein mit Ihnen? O, wie wird das prächtig ſein!

Aber nun gehen Sie zu Frau von Montesquiou, Sire, ſagte der Kaiſer. Conſtant, halloh Conſtant!