——
576
richteten, ſchienen den Segen des Himmels für den kleinen König von Rom zu erflehen.
Der Kaiſer mochte das in ihren Blicken leſen, denn er grüßte die Herren mit einem freundlichen Lächeln, und nickte ihnen zu mit dem triumphirenden Ausdruck eines glücklichen Vaters.
Papa Kaiſer, rief das Kind, ſich wieder ſeinem Vater zuwendend, meine gute Madame Quiou ſagt, daß wir in Frankreich jetzt das Glück ſehr nöthig haben, und daß ich deshalb recht inbrünſtig und ſehr den lieben Gott bitten möchte, daß er uns Glück ſchenke.
Nun, und haben Sie es denn auch gethan? fragte der Kaiſer.
Ja, rief das Kind freudig, ich habe es gethan und recht von Herzen.
Wie haben Sie denn gebetet? Laſſen Sie einmal hören, Sire, es ſchadet immer nichts, wenn Sie noch einmal zu Gott um das Glück beten. Was haben Sie denn geſagt?
Der kleine König von Rom nahm eine ernſthafte und feierliche Miene an, und ließ ſich langſam auf ſeine beiden Kniee niedergleiten. Dann hob er ſeine gefalteten Hände empor, und das Haupt zurück⸗ lehnend, richtete er ſeine großen blauen Augen mit einem glänzenden Blick zum Himmel.
Lieber Gott, ſagte er laut, lieber Gott, ich bitte zu Dir für Frank⸗ reich und für meinen Vater!
Dieſe von einer ſo hellen, melodiſchen Kinderſtimme geſprochenen Worte, welche einem Engelsgruß gleich das feierliche, ſtets den ernſten Beſchäftigungen geweihte Kabinet des Kaiſers durchhallten, machten einen wunderbaren Eindruck.
Die vier Herren erblaßten und wandten ſich ab, um den Kaiſer ihre Rührung nicht ſehen zu laſſen.
Aber der Kaiſer achtete gar nicht auf ſie, ſeine Augen ruhten auf ſeinem Kinde mit einem Ausdruck unausſprechlicher Zärtlichkeit, in⸗ brünſtiger Rührung. Allmälig ward der Feuerblick dieſer Augen mil⸗ der, ein Schleier ſchien ſich über dieſelben hinzubreiten, und da dieſer Schleier den Kaiſer vielleicht verhinderte, vas liebliche Bild ſeines knieenden Kindes in ſeiner ganzen Klarheit zu ſehen, fuhr er ſich mit der Hand raſch über beide Augen hin.


