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Schuld. Man hatte Reden gehalten, aber Reden verfliegen in der Luft und bieten zur Ueberführung einer Schuld keine ſicheren Anhalts⸗ punkte dar. Da ich nicht die Ehre habe, zu der Commiſſion des Corps legislatif zu gehören, welche von Ew. Majeſtät ernannt worden, um den Zuſtand Frankreichs zu berathen, ſo konnte ich alſo auch nicht Ohrenzeuge ihrer Reden ſein. Ich mußte ſichtbare Zeugniſſe haben. Ich wußte, daß die Commiſſion des Corps legislatif beſchloſſen, nicht blos ihre Beſchlüſſe als eine, an Ew. Majeſtät gerichtete Adreſſe drucken zu laſſen, ſondern auch, daß der Oppoſitionsredner der Commiſſion, Herr Raynouard, ſeine Rede drucken und in viel tauſend Exemplaren verbreiten laſſen wollte, um Frankreich zu beweiſen, daß die Com⸗ miſſion des Corps legislatif Alles gethan, um Frankreich den Frieden zu geben.
Als ob das die Aufgabe dieſer Herren wäre, als ob ſie mir Rath zu ertheilen hätten oder auf meine Entſchließungen influiren könnten, rief Napoleon heftig. Sie haben es niemals gewagt, ihre Stimme gegen mich zu erheben, jetzt, da wir umringt ſind von Feinden, jetzt, wo Alles darauf ankommt, daß Frankreich der Welt imponire durch die Einheit ſeines Willens und durch die Energie dieſes einheitlichen Willens, jetzt wagen dieſe Menſchen zu opponiren!— Sie ließen alſo die Reden und Adreſſen ruhig in die Druckerei wandern, Savary?
Ja, Sire. Aber ich ließ die Druckerei von meinen Polizei⸗Agenten umſtellen und ließ abwarten, bis der Satz vollendet und der Druck be⸗ gonnen hatte. Dann drangen meine Agenten in den Saal der Preſſen vor, ergriffen die ſchon gemachten Abdrücke, zerſtörten den Satz und verbrannten die Manuſcripte*) ſowie alle Abdrücke, bis auf dieſen Einen, welchen ich die Ehre hatte, Ew. Majeſtät zu überbringen.
Der Kaiſer nahm mit einer heftigen Handbewegung den großen bedruckten Bogen, der neben dem Herzog auf dem Tiſch lag, und ließ den Blitz ſeiner Augen darüber hinflattern.
Savary, ſagte er dann, mit dem Finger heftig auf eine Stelle des Papiers hindeutend, Savarh, leſen Sie einmal das hier. Den
*) Mémoires d'un homme d'état. Vol. XII. S. 294. Mühlbach, Napoleon. III. Bd.


