Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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wir den Bonaparte, den die Majeſtäten freilich noch immer den Kaiſer Napoleon nennen, der aber in meinen Augen nichts iſt, als ein ſchänd⸗ licher Tyrann, der ſich unterſtanden hat, ſich'ne Krone aufzuſetzen, die ihm nicht gehört, und ſich auf einem Thron niederzulaſſen, auf den er kein Recht hat, der uns Deutſche außerdem behandelt hat, als wären wir ſeine Knechte und Sclaven, Gerechtigkeit iſt's, wenn wir dem Thronenräuber, dem Schlachtengewinner und Prahlhans Alles wieder abnähmen, was er ſich zugeeignet hat, und ihn wieder nach Corſika ſchicken, damit er da, wie ſein Vater, Advokat werde. Das wär' Gerechtigkeit, Majeſtät, und wenn das nicht geſchieht, ſo iſt das eine Weichherzigkeit, die bei dem Bonaparte ſehr übel angebracht iſt!

Der Kaiſer warf einen lächelnden Blick voll unendlicher Befrie⸗ digung auf den König, den dieſer mit einem leichten Kopfnicken erwiederte.

Lieber Blücher, ſagte Alexander freundlich, Sie haben mich noch nicht dazu kommen laſſen, Ihnen auch meinen Glückwunſch zu Ihrem Geburtstag zu ſagen. Möge es Ihnen wohl gehen, mein theurer Feldmarſchall, und möge dieſes Jahr uns den Frieden und die Ruhe bringen, deren man ſo ſehr bedarf, wenn man, wie Sie, einundſiebenzig Jahre alt iſt.

Ich weiß nicht, ob ich ſo alt bin, ſagte Blücher unwirſch, ich weiß blos, daß ich mich durchaus nicht nach Ruhe und Frieden ſehne, ſondern daß ich es für ein großes Unglück halte, wenn wir ſie bald bekämen.

Der Kaiſer ſchien ihn nicht gehört zu haben, ſondern fuhr ruhig fort: Ja gewiß, mein lieber Feldmarſchall, Sie bedürfen endlich der Ruhe; in Ihrem ehrwürdigen Greiſenalter darf man nicht ſo andauernde Kriegsſtrapazen aushalten.

Auch ſehnen Sie ſich, wie wir Alle, gewiß nach dem Frieden, ſagte der König, der ſah, wie die Stirnader Blüchers anſchwoll, und der einer allzuheftigen Antwort zuvorkommen wollte. Wir haben lange darüber nachgedacht, was für eine Ueberraſchung und Frende wir Ihnen zu Ihrem Geburtstag bereiten könnten, aber es war ſchwer, etwas zu finden. Alle unſere Orden und Ehrenzeichen beſitzen Sie ſchon, an Reichthümern und Gütern haben Sie auch keinen Mangel, und alſo