Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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mich aus ſeinen Worten anweht. Mein Gott, Sire, es iſt doch ſo ſehr ſchmeichelhaft, einmal wie ein ordentlicher Menſch ausgeſcholten zu werden!

Nun, wenn's Ihnen darnach gelüſtet, Sire, ſagte der König lächelnd, dies Vergnügen wird Ihnen der Blücher heute ganz gewiß bereiten!

Die Thür ward geöffnet, und der eintretende Kammerdiener mel⸗ dete den Feldmarſchall von Blücher.

Die beiden Monarchen gingen dem Eintretenden entgegen. Beide reichten ſie ihm die Hände dar, und hießen ihn freundlich willkommen.

Indeß dieſe große Zuvorkommenheit, ſtatt Blücher zu erfreuen, machte ihn mißtrauiſch.

Sie ſtreicheln mich ſo ſehr, weil ſie mich kratzen wollen, ſagte Blücher zu ſich ſelber, aber ſie ſollen ihren Mann kennen lernen.

Seine Züge nahmen einen trotzigen Ausdruck an, und eine finſtere Wolke lagerte ſich auf ſeiner Stirn.

Ihr Geburtstag iſt heute, Feldmarſchall, ſagte der König, wir haben Sie deshalb herbeſchieden; wollten Ihnen gern perſönlich unſere

Glückwünſche ſagen. Sie haben ein Jahr des Ruhms und der Tapfer⸗

keit hinter ſich, und das neue Jahr kann Ihnen keine ſchöneren Lor⸗ beern bringen, als Sie ſchon haben.

Ach, Majeſtät, ich glaube doch, ſagte Blücher raſch. Die Lor⸗ beern, die in Frankreich wachſen, ſind die ſchönſten von Allen, und darum möcht' ich gern hin, und mir welche pflücken.

Ach, das wird der Kaiſer Napoleon nicht leiden, ſagte Alerander. Er hält ſehr auf ſeine Lorbeern in Frankreich, und wir thun daher gut, nicht die Hand darnach auszuſtrecken, denn der Kaiſer Napoleon iſt nicht der Mann dazu, ſich etwas nehmen zu laſſen, was ihm gehört.

Aber er war ſehr der Mann dazu, Viel zu nehmen, was ihm nicht gehört, rief Blücher heftig.

Das, was ihm nicht gehört, das haben wir ihm ja wieder ab⸗ genommen, und damit iſt Gerechtigkeit geübt worden, ſagte der König ernſt.

Nein, damit iſt nicht Gerechtigkeit geübt worden, rief Blücher. Gerechtigkeit iſt, wenn wir nach Paris ziehen, Gerechtigkeit iſt, wenn