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Frankfurt, und verweilte mit ſeinem Stabe in Höchſt, nahe bei ſeinen
Truppen.
Es war am ſechszehnten December, der Feldmarſchall befand ſich allein in ſeinem Zimmer, und ſaß, ſeine Morgenpfeife rauchend, im bequemen Soldatenmantel auf dem Sopha. Vor ihm lag eine Karte von Deutſchland, auf welche die Blicke des alten Feldherrn unab⸗ läſſig gerichtet waren, und über die er zuweilen eifrig mit den Fingern dahin fuhr, hier und dort Linien beſchreibend, und Schlachtreihen, wie es ſchien, im Geiſte formirend.
Die Thür ward geöffnet, und der Pipenmeiſter Hennemann trat ein. In voller Staatsuniform, die beiden Hände auf dem Rücken hal⸗ tend, ſtellte er ſich neben der Thür auf, immer hoffend, daß ſein Feld⸗ marſchall ihn erblicken und nach ſeinem Begehr fragen werde.
Aber Blücher ſchaute nicht auf. Er war ganz und gar in das Studium ſeiner Karte vertieft. Chriſtian Hennemann mußte es daher wohl wagen, ihn zu unterbrechen.
Herr Feldmarſchall, ſagte er mit leiſer ſchüchterner Stimme, Herr Feldmarſchall, ich—
Na, was willſt Du, Chriſtian? fragte Blücher, den Blick von ſeiner Karte erhebend, und den Pipenmeiſter anſehend. Na, was iſt denn aber los? fragte er dann ganz verwundert. Warum biſt Du denn im Staatsanzug, und ſiehſt aus, als wenn Du eben auf die Parade gehen wollteſt? Biſt Du denn katholiſch geworden hier im katholiſchen Land, Chriſtian, und feierſt heute den Feſttag eines Heiligen?
Ja, Herr Feldmarſchall, ſagte Chriſtian, entſchloſſen vortretend,
ja, ich feiere heute den Feſttag meines Heiligen, und mein Heiliger,
der heißt Blücher!
Iſt'n wunderlicher Heiliger, rief Blücher lachend. Aber was hat's zu bedeuten, Chriſtian?
Es hat zu bedeuten, Herr Feldmarſchall, daß heute Ihr Geburts⸗ tag iſt, daß Sie heute einundſiebenzig Jahre alt werden!
S iſt wahr, ſagte Blücher vor ſich hin. Mein Geburtstag! Ich hatte ſtreng verboten, daß er gefeiert würde, und nun habe ich ihn darüber ſelbſt vergeſſen.


