Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

532

belohnen ließ. Aber wie ſollten ſie's denn machen, um das Volk zu belohnen? Was konnten ſie denn thun?

Sie konnten ihre Völker belohnen, indem ſie ihnen mehr Selbſt⸗ ſtändigkeit, mehr Ehre und Würde verliehen, ſagte Gneiſenau, indem ſie ihnen die Verfaſſung geben, welche der König von Preußen in ſeinem Aufruf vom ſiebenzehnten März doch ſeinem Volk verheißen hat!

Ja, das iſt wahr, ſagte Blücher nachdenklich. Na, dafür iſt Stein da, und der wird den König ſchon mahnen an das, was Noth thut. Das iſt ein Patriot und ein ächter Mann!

Ja, aber er iſt allein, ſagte Gneiſenau traurig. Seine Stimme wird verhallen, wie die Stimme des Predigers in der Wüſte. Geben

Na, rief Blücher, wir werden ja ſehen! Vorläufig wollen wir uns blos freuen, daß wir die große Völkerſchlacht geſchlagen haben, und daß der Bonaparte nun dran glauben muß. Nun kommt Alles darauf an, ihm ſchnell und ohne Erbarmen den Garaus zu machen. Sie kennen ja mein Feldgeſchrei: Runter muß er! Pipenmeiſter, he, Pipenmeiſter! Nen andern Stummel, der hier brennt nicht mehr!

Und wie Napoleon und Blücher am neunzehnten October Leipzig verließen, ſo verließ es auch am Abend deſſelben Tages der König Friedrich Wilhelm von Preußen, um nach Berlin zu gehen und mit ſeinem Volk ſich des Sieges zu freuen und Gott zu danken für die gewonnene Schlacht.

Ganz Berlin jauchzte ſeinem König entgegen, und der zwanzigſte October war ein Tag allgemeiner Luſt und Freude, allgemeiner Er⸗ hebung und Dankbarkeit. Deutſchland war nun frei, das fühlte Jeder, das erfüllte jedes Herz mit Freude und Entzücken, das wollte Jeder mit Thränen des Dankes und der Freude ſeinem König zurufen.

Tauſende umſtanden den ganzen Tag das königliche Schloß zu Berlin, um das ſtille heitere Antlitz des König zu ſehen, und ſo oft er ſich an den Fenſtern oder auf dem Balcon zeigte, grüßten ſie ihn mit lautem Jubelgeſchrei und freudigem Schwenken der Hüte und Tücher. Tauſende auch drängten ſich dem Dom zu, um dort vereint mit ihrem König Gott zu danken für den erlangten großen und herrlichen Sieg.

Sie Acht, Feldmarſchall, die Verſprechungen werden vergeſſen werden!