530
Truppen bedürfen, Gott ſei Dank, nicht der Ruhe. Ich werde ſogleich aufbrechen, um den Feind zu verfolgen. Es iſt nicht genug, daß man ſiegt, man muß auch ſeine Siege zu benutzen wiſſen. Heute Abend marſchire ich weiter! Mein nächſtes Nachtquartier werde ich in Schkeuditz nehmen.
Marſchall Vorwärts! Immer der Marſchall Vorwärts! rief Alexander lächelnd. Kommen Sie, Sire, laſſen Sie uns eilen, zu Tiſche zu kommen, ſonſt erlaubt er uns nicht einmal, zu eſſen, ſondern wir müſſen Alle gleich wieder auf und davon.
Er nahm den Arm des Königs und ging mit ihm zu den bereit⸗ ſtehenden Pferden. Eben im Begriff aufzuſteigen, wandte er ſich nach einem ſeiner Adjutanten. Ach, ſagte er lebhaft, noch eine Kleinigkeit, die ich faſt vergeſſen hätte! General Petrowitſch, gehen Sie doch da hinauf— er deutete mit der Hand rückwärts nach dem Hauſe des Königs von Sachſen— gehen Sie da hinauf, und zeigen Sie dem König von Sachſen in meinem Namen an, daß er Gefangener iſt*). Laſſen Sie eine Wache von dreißig Mann vor das Haus ſtellen!
Am Abend dieſes Tages ritt Blücher an der Seite Gneiſenau's, gefolgt von ſeinem Generalſtab, aus dem Thor von Leipzig, um ſeinen Truppen zu folgen, die ſchon ſeit dem Mittag ſich auf der Straße nach Schkeuditz befanden.
Nao, ſagte Blücher, behaglich ſeine Pfeife rauchend, das muß man ſagen, Orden und Titel hat's heute genug geregnet, und wir haben alle recht tüchtig in der Traufe geſtanden. Na, ich bin alſo nun Feld⸗ marſchall, habe vom Kaiſer von Oeſterreich den Thereſienorden und' vom Kaiſer von Rußland einen ſchönen goldenen Ehrenſäbel, den ich meiner Male zum Andenken mitbringen will. Und Sie, Gneiſenau, Sie haben doch auch unter der Traufe geſtanden?
Ei ja, ſagte Gneiſenau gelaſſen, habe Ordensbänder von allen drei Monarchen erhalten. Sie haben Recht, es war heute den ganzen Tag ein Platzregen von Orden, Titeln und Würden, und kein General, kein Würdenträger und Diplomat iſt vergeſſen worden. Der Graf Metternich iſt heute, wie Sie wiſſen, von ſeinem Souverain wegen
) Beitzke, I. S. 652.


