Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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Der Kaiſer nahm den dargereichten Lorbeerkranz, und mit einer anmuthigen Bewegung drückte er ihn raſch auf Blüchers Haupt.

Ich vertrete dies Mal die Muſe der Geſchichte, ſagte er, und ich kröne den Marſchall Vorwärts, wie es ihm gebührt.

Und ich, ſagte der Kronprinz von Schweden, ſeinen Lorbeerkranz dem Fürſten Schwarzenberg darreichend, ich reiche den Lorbeerkranz dem Oberfeldherrn aller unſerer Heere, und ich wünſche ihm Glück, einen Sieg erfochten zu haben, über den ſo viele Völker jauchzen, und der ſeinen Namen in ſpäten Jahrhunderten verherrlichen wird.

Ach, rief Schwarzenberg faſt beſchämt, ich habe leider nur Geringes thun können! Ich habe nur die Befehle der Monarchen getreu erfüllt, und den Feldherren und Kriegsherren allein iſt der Sieg zu danken.*)

Der König allein ſagte nichts. Er behielt ſeinen Kranz und ſchaute auf ihn nieder mit ſinnenden, tiefernſten Blicken.

Die feierlichen Präſentationen waren zu Ende, und die Fürſten ſchickten ſich an, in die für ſie bereiteten Quartiere ſich zu begeben.

Ich hoffe, Sire, wir bleiben dieſen Tag Alle beiſammen? fragte Alexander, ſich an den König wendend.

Ich bitte, mich zu entſchuldigen, Sire, ſagte Friedrich Wilhelm, ſich verneigend, ich gedenke heute Abend nach Berlin zu reiſen, aber ich werde in einigen Tagen wiederkehren.

Aber Sie, nicht wahr, Sie bleiben? fragte Alexander, ſich an Bernadotte wendend.

Ich bleibe, ganz Ew. Majeſtät zu Befehl, ſagte der Kronprinz von Schweden mit verbindlichem Lächeln. Meine Truppen bedürfen der Ruhe.

Ja, ſeine Truppen bedürfen immer der Ruhe, murmelte Blücher in ſich hinein, ich glaube

Eben wandte ſich der Kaiſer Alexander zu ihm hin. Nun, Herr Feldmarſchall, fragte er, nicht wahr, Sie bleiben auch? Ich bitte Sie, heute mein Gaſt zu ſein.

Sire, ich bedauere, daß ich dieſe gnädige Einladung nicht an⸗ nehmen kann, ſagte Blücher. Ich kann nicht bleiben, und meine

*) Die eigenen Worte des Fürſten Schwarzenberg. Beitzke II. S. 639. Mühlbach, Napoleon. III. Bd. 34