gebeugt dahin ſchreiten ſahen, murmelten ſie leiſe untereinander: Seht ihn jetzt, wie er zerbrochen iſt! Gerade ſo kam er aus Rußland! Er hat keine Kraft, das Unglück zu ertragen!—
Während der Kaiſer mit ſeinem Gefolge langſam und traurig die Straße nach Markrannſtädt einſchlug, hielten die Verbündeten ihren Einzug in Leipzig.
Voran ritten der Kaiſer von Rußland und der König von Preußen, ihnen folgte der glänzende Generalſtab, und hinter dieſem kamen mit klingendem Spiel die ſiegreichen Truppen. Noch donnerten die Kanonen, aber lauter noch donnerte das Jubelgeſchrei, das Jauchzen des Volkes, das zu Tauſenden durch die Straßen daherſtrömte, um die Fürſten, die ſiegreichen Truppen zu empfangen. Die Fenſter aller Häuſer waren jetzt geöffnet, und an ihnen ſtanden die Bewohner derſelben mit freude⸗ leuchtenden Angeſichtern, weiße Tücher in den Händen haltend, mit denen ſie den Einziehenden ihre Grüße zuwinkten. Vergeſſen war jetzt alle Angſt, alle Todesgefahr, vergeſſen, was man noch vor einigen Stunden von den Feinden zu erdulden gehabt. Jetzt waren die Freunde, die längſt erſehnten Freunde da, und man begrüßte ſie mit Thränen, mit Jauchzen der Luſt, mit Freudenrufen, die in Dankgebeten, mit Dankgebeten, die in Freudenrufen endigten. Von allen Thürmen der Stadt läuteten die Glocken, und verkündeten mit ihren feierlichen, ehernen Zungen die Wiederauferſtehung Deutſchlands!
Unter dieſem Glockengeläute, unter dem Donnern der Kanonen, unter dem Zujauchzen von Tauſenden und aber Tauſenden ritten die Monarchen hin auf den großen Marktplatz; gerade vor dem Hauſe des Königs von Sachſen hielten ſie an, aber kein einziger Blick der Mo⸗ narchen wandte ſich hinauf zu den Fenſtern, hinter deren geſchloſſenen Vorhängen die unglückliche Königsfamilie weilte, und deren Anweſenheit man ganz und gar vergeſſen zu haben ſchien.
Die beiden Monarchen ſtiegen von ihren Pferden, denn jetzt kam von der anderen Seite daher der Kronprinz von Schweden, Berna⸗ dotte, an der Spitze ſeiner Garden, und dort drüben durch die an⸗ dere Straße nahte ſich der Oberfeldherr der Verbündeten, der Fürſt Schwarzenberg.


