Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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wankte und die Fenſter des Zimmers klirrend zerbrachen, daß das Bett, auf welchem der Kaiſer ruhte, wie von unſichtbaren Armen gepackt, von der Wand fortgeſchoben ward.

Napoleon ſprang empor und blickte fragend um ſich her. Was war das? fragte er. Es war kein Kanonenſchuß, es war eine Exploſion.

Er verließ raſch die Mühle und trat vor die Thür. Dort ſtan⸗ den die Generäle und ſchaueten mit geſpannten Blicken nach Leipzig hinüber. Der Donner der Kanonen war verſtummt, hier und da ſah man helle Flammen aus den Dächern der Häuſer auflodern, die eine Hälfte der Stadt aber war ganz und gar in lichte Dampfwolken ein⸗ gehüllt, ſo daß man nicht vermochte, irgend etwas zu ſehen und zu unterſcheiden.

Dort hat eine Exploſion ſtattgefunden, ſagte Napoleon, nach dieſer Seite hindeutend.

In dieſem Moment ſah man einige Reiter in ſauſendem Galopp daherſprengen der Mühle zu, ihnen voran, in glänzender Uniform, die Bruſt mit blitzenden Orden geziert, der König von Neapel.

Wenige Schritte von dem Kaiſer hielt er ſein Pferd an und ſprang ab.

Murat, rief der Kaiſer ihm entgegen, was giebt es denn? Was iſt geſchehen?

Der König näherte ſich ihm raſch. Sire, ſagte er, ein fürchter⸗ liches Unglück iſt geſchehen. Die Elſterbrücke, die einzige Uebergangs⸗ paſſage für unſere Truppen, iſt in die Luft geflogen!

Und unſere Truppen? rief der Kaiſer.

Sire, die Arrieregarde von zwanzigtauſend Mann befindet ſich noch am jenſeitigen Ufer und hat jetzt keinen Weg zu ihrer Ret⸗ tung mehr.

Der Kaiſer ſtieß einen Schrei aus, der halb dem Schmerz, halb dem Zorn angehörte. Ach, rief er, auf dieſe Weiſe alſo befolgt man meine Befehle! Oh, mein Gott, zwanzigtauſend meiner Braven ſind verloren, rettungslos verloren!

Er ſchlug ſeine beiden Hände gegen ſeine Schläfen und blickte ſtarr, verzweiflungsvoll vor ſich hin.