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des Kaiſers ſchon früher dahin abgegangen, und hatten das Zimmer des Kaiſers bereitet.
Napoleon ſchritt raſch in daſſelbe hinein, und Conſtant mit einem Kopfnicken begrüßend, ſagte er: nur noch ein wenig Geduld! In acht Tagen ſind wir in Paris, und da ſollt Ihr Alle Euch erholen! Wir werden uns jetzt für immer nach Paris begeben! Wir werden unſer ſchönes Frankreich nicht wieder verlaſſen! Es ſoll ein ſchönes und fried⸗ liches Leben werden! Ach, wie wird die Kaiſerin ſich freuen, und wie ſchön wird es ſein, den kleinen König von Rom endlich wieder umarmen, und mit ihm ſpielen zu können!
Es hatte etwas Erſchütterndes, Wehmüthiges, dieſen ſonſt ſo kalten, verſchloſſenen Mann, dieſen Feldherrn, der eben aus einer verlornen Schlacht heimkehrte, mit ſo innigem und zärtlichem Ton von ſeiner Heimkehr und von ſeinem Kinde ſprechen zu hören, zu ſehen, wie ſeine ſtarren Züge ſich unter dem Zauber ſeiner Erinnerungen belebten, wie der Schimmer eines traurigen Lächelns ſich auf ſeine Lippen ſtahl.
Aber dieſer Schimmer verſchwand ſchnell wieder, und mit einem tiefen Seufzer ließ der Kaiſer ſein Haupt auf ſeine Bruſt ſinken.
Ew. Majeſtät ſollten verſuchen, ein wenig zu ſchlafen, ſagte Conſtant mit leiſer, flehender Stimme.
Ja, ſchlafen! rief Napoleon, ich will ſchlafen! Schlafen heißt vergeſſen!
Es war der erſte, der einzige Klagelaut, dem er erlaubte, auf ſeine Lippen zu treten, auch ſchien er denſelben ſchon zu bereuen, denn er warf, während er ſich auf das Feldbett niederwarf, einen finſteren Blick hinüber zu Conſtant, und als wolle er ihm beweiſen, wie leicht ihm das Vergeſſen und das Schlafen werde, war er nach wenigen Mi⸗ nuten ſchon eingeſchlafen.
Von dem nahen Leipzig herüber tönte das laute Donnern der Kanonen, welche den letzten Kampf der Franzoſen und der Verbündeten bezeichneten. Der Schlummer des Kaiſers ward nicht dadurch geſtört. Zu oft hatte ihm der rollende Kanonendonner als Wiegenlied gedient, er vermochte auch heute nicht, ſeinen Schlaf zu unterbrechen.
Plötzlich jedoch ertönte eine ſo furchtbare Exploſion, daß der Boden


