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Sire, ſagte er, Sie müſſen fort! Bernadotte hat eine der Vor⸗ ſtädte mit Sturm genommen, der General Blücher hat das Halliſche Thor erſtürmt, und Blücher, Bennigſen und Schwarzenberg rücken von allen Seiten in die Stadt ein, ſo daß unſere Truppen ſich von Haus zu Haus vertheidigen müſſen.
Sire, Erbarmen! Retten Sie ſich! rief der König, in Thränen ausbrechend. Mein Gott, ich kann Ihnen nicht mehr helfen, Ihnen nicht mehr beiſtehen! Ich habe nichts mehr, das ich Ihnen geben könnte, nichts als mein Leben, und dies iſt werthlos! Retten Sie ſich, Sire, wenn Sie nicht wollen, daß ich zu Ihren Füßen ſterben ſoll.
Sire, rief Caulaincourt, jede Minute vergrößert die Gefahr. Noch eine Viertelſtunde, und Ew Majeſtät werden die eingenommene Stadt vielleicht nicht mehr verlaſſen können.
Napoleon wandte ſich mit einer ſtolzen Bewegung ſeinem General zu. Bah, ſagte er mit einem wunderbaren Ausdruck, habe ich denn nicht ein Schwert an meiner Seite?— Aber, da Sie es wünſchen, Sire, da Sie ſich um mich ängſtigen, will ich gehen! Leben Sie wohl! Möchten wir uns einſt glücklicher wiederſehen!
Sire, dort oben! ſagte der König feierlich, mit der Hand gen Himmel deutend. Dann hob er ſich raſch aus ſeinem Fauteuil em⸗ por, und ſich Napoleon nahend, der eben von der Königin und der Prinzeſſin Abſchied genommen, legte er ſeinen Arm in den des Kaiſers und führte ihn haſtig aus dem Zimmer, über den Flur die Treppe hinunter.
Hier am Fuß der Treppe blieb er ſtehen, und den Kaiſer mit Heftigkeit in ſeine Arme ſchließend, flüſterte er: leben Sie wohl, Sire. Ich fühl's, es iſt ein Abſchied auf Leben und Tod! Ich werde Sie dort oben erwarten! Jetzt, Sire, kein Wort weiter. Eilen Sie!
Er wandte ſich um, und ging langſam, geſenkten Hauptes, die Treppe wieder hinauf.
Der Kaiſer ſchwang ſich auf ſein Pferd und ſchlug jetzt den Weg nach dem Ranſtädter Thor ein. Hinter ihm ritten Berthier, Caulain⸗ cvurt und einige Generäle, eine Reiterescorte folgte ihnen nach.
Die Straßen boten ein Bild der Verwüſtung und des Grauens


