Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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Werde ich mir die Glieder müſſen abſchlagen laſſen, um nur mit dem Leben davon zu kommen?

Er ſchwieg und ſtarr vor ſich hinblickend verſank er immer tiefer in ſich ſelbſt.

Plötzlich ward die Stille um ihn her durch das Geräuſch heran⸗ nahender Schritte unterbrochen. Der Vorhang des Zeltes ward zurück⸗ geſchlagen und einer der Adjutanten des Kaiſers erſchien in dem Eingang.

Sire, ſagte er, der öſterreichiſche General Meerfeldt, der von den Truppen Ew. Majeſtät bei Wachau zum Gefangenen gemacht worden, iſt ſo eben unter Bedeckung angelangt und erwartet hier außen vor dem Zelt die Befehle des Kaiſers.

Der Kaiſer ſtand auf, raſcher wie er es ſonſt zu thun pflegte. Das Schickſal giebt mir eine Antwort auf meine Fragen und Zweifel, ſagte er zu ſich ſelber, indem er haſtig einige Male in ſeinem Zelt auf und ab ging. Ich ſuchte nach einem Ausweg und das Schickſal ſendet mir einen Vermittler zwiſchen mir und meinen Feinden. Oh, es iſt alſo noch nicht Alles verloren, denn wie es ſcheint, iſt das Schickſal noch mein Bundesgenoſſe!

Er wandte ſich mit einer raſchen Kopfbewegung nach dem Adju⸗ tanten hin. Laſſen Sie den General Meerfeldt eintreten, ich will ihn ſprechen!

Einige Minuten ſpäter trat der öſterreichiche General in das Zelt ein. Der Kaiſer ging ihm lebhaft einige Schritte entgegen und ſchaute mit einem ſeltſamen triumphirenden Blick in das verlegene und be⸗ klommene Antlitz des Grafen.

Ich denke, wir ſind alte Bekannte, ſagte der Kaiſer, denn wenn ich nicht irre, waren Sie es, der im Jahre 1797 den Waffenſtillſtand von Leoben begehrte, und auch beim Frieden von Campo Formio waren Sie thätig und wirkſam.

Ja, Sire, ſo iſt es, ich hatte damals das Glück den großen Ge⸗ neral Bonaparte kennen zu lernen, ſagte Graf Meerfeldt ſich tief ver⸗ neigend, er ſtand damals am Anfang einer Laufbahn, die ihn ſeitdem von Sieg zu Sieg, von Triumph zu Triumph geführt und ſein Haupt mit wohlverdienten Kronen und Lorbeern geſchmückt hat!