Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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Wie denn, das Leben? fragte Alexander erſtaunt. Hat der Kaiſer Napoleon Sie jemals aus einer Lebensgefahr befreit?

Ja, Majeſtät, das hat er gethan, ſagte Blücher, mit einem ſchnellen Feuerblick den ganzen großen Kreis ſeiner Zuhörer überfliegend, der Kaiſer Napoleon hat mich aus einer großen Lebensgefahr errettet. Denn ich war ſeit den unglücklichen Tagen von Tilſit in Gefahr zu ſterben vor Gram über die Schmach und das Unglück Preußens, und als endlich unſere edle und erhabene Königin Louiſe ſtarb, die eine wahrhafte und treue deutſche Frau war, und welcher der Gram über Preußens Unglück das Herz gebrochen, da meint' ich ſchier, es hätt' mich ein Dolchſtoß gerad' in's Herz getroffen, und ich müßte dran verbluten. Aber da dachte ich zu meinem Troſt daran, daß der Na⸗ poleon noch lebte, und daß auch ich leben müſſe, um den Tag zu ſehen, an welchem das Strafgericht über den hochmüthigen Tyrannen herein⸗ brechen würde, da ſtärkte und tröſtete mich die feſte Ueberzeugung, daß Gott mich auserſehen zu dem Werkzeug, mit dem er den Napoleon ſtrafen und vernichten wolle, daß ich dazu beſtimmt ſei, Deutſchland befreien und die Königin Louiſe rächen zu helfen. Und dieſer Gedanke, Sire, hat mich aufrecht erhalten, an dieſem Gedanken habe ich mich erkräftigt, er hat meine Glieder geſtählt, er hat mich wieder ſo jung und feurig gemacht, daß ich dem Kampf mich entgegen ſehne, wie ein Schlachtroß, das den Ruf der Trompete gehört hat.

Ein Gemurmel des Beifalls machte ſich hörbar, und nur die Ehrfurcht vor den anweſenden hohen Fürſten ſchien einen lauten Aus⸗ bruch der allgemeinen Sympathie zurückhalten zu können. Jedermann ſchaute mit ſtolzen und freudeſtrahlenden Blicken auf den greiſen Ge⸗ neral hin, deſſen edles und tapferes Antlitz ſtrahlte von Muth und Entſchloſſenheit, und auf den Kaiſer Alexander, der den muthigen und unerſchrockenen Soldaten mit einer Art ſtaunender Verwunderung zu betrachten ſchien.

Eine kleine Pauſe trat ein, dann ſah man plötzlich den König einige Schritte vorwärts thun, und ſich der Generalin Blücher, die neben Scharnhorſt ſtand, nähern.

Guten Abend, Frau Generalin, ſagte der König laut und mit