Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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edlen und tapferen Deutſchen, den großen Miniſter vom Stein beſucht haben, der einſam, krank und verlaſſen auf ſeiner Dachſtube wohnte, und an den ſich bis dahin nur einige getreue Freunde, und einige feige Feinde erinnert hatten.*)

Dieſe, mit lauter und kräftiger Stimme geſprochenen Worte brachten eine ſehr verſchiedene Wirkung hervor. Der Kaiſer Alexander lächelte, und nickte mehrmals lebhaft mit dem Kopf, der König Friedrich Wilhelm runzelte leicht die Stirn, und dieſes Stirnrunzeln des Königs ſchien den hinter ihm ſtehenden Herren ſeines Gefolges, dem Feld⸗ marſchall von Kalkreuth und dem General von Kneſebeck, die Erlaubniß zu ertheilen, ihre Stirn in düſtere Falten zu legen, und zornfunkelnde Blicke auf Blücher zu ſchleudern. Die Generalin Blücher, welche ſich beſcheiden einige Schritte zurückgehalten hatte, war leichenblaß gewor⸗ den, und lehnte ſich zitternd auf den Arm des Generals Scharnhorſt, der ſeinerſeits lächelte, und ſich zu ihr neigend, leiſe flüſterte:„er iſt wundervoll, der Blücher! Ein wahrer Feuerkönig zwiſchen den kleinen Irrlichtern!“ Die beiden Bürgermeiſter und der Schwarm der Hof⸗ leute lächelten, je nachdem ſie den Kaiſer anblickten, oder ſchauten ernſt und düſter drein, je nachdem ſie die bewölkte Stirn des Königs ſich zur Richtſchnur genom nen.

Blücher indeß ſchien die Wirkung ſeiner Worte gar nicht zu ge⸗ wahren, und llickte ſo unbefangen und ruhig umher, als habe er dem

*) Miniſter vom Stein war krank in Breslau angelangt, und wohnte, wie ſchon weiter oben erzählt, in einem kleinen Dachſtübchen, das ihm der Major von Lützow eingeräumt hatte. Nur ſeine nächſten Freunde beſuchten ihn dort, und daher kam es, daß Graf St. Marſan, dem Feldmarſchall Kalkreuth den Aufenthalt Stein's in Breslau gemeldet hatte, nicht an dieſe Nachricht glaubte. Indeſſen erhielt Herr vom Stein in der Stille viele Beweiſe von Liebe und Theilnahme. Nur der König bekümmerte ſich gar nicht um ihn, und auch den Mitgliedern des Hofes war es unterſagt, in irgend eine Verbindung mit Stein zu treten. Indeſſen änderte ſich dies, ſobald der Kaiſer von Rußland ange⸗ kommen, und Stein mit größter Zuvorkommenheit aufgeſucht hatte. Nun beeilte ſich Jedermann, ihn zu beſuchen, und dem Freunde des Kaiſers Verſicherungen der Theilnahme und Hochachtung zu geben, die Stein oft ſehr herbe zurückwies. Pertz: Steins Leben. III. S. 310 folg.