Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
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und Zaudern vergeht die Zeit, und Napoleon ſammelt neue Heere und verſtärkt ſich nach allen Seiten hin.

Drei alſo ſtehen auf der Liſte, ſagte Blücher gedankenvoll vor ſich hin, ich habe zwei Mitbewerber. Wer ſind die Beiden, General? Nennt ſie mir.

Der Eine iſt der Feldmarſchall Kalkreuth.

Blücher fuhr auf, und ſein Auge blitzte im Zorn. Was? rief er. Der alte kindiſche Greis ſollte eine Armee commandiren? Er, deſſen Lippen ſtets Lobpſalmen auf Napoleon und ſeine Franzoſen ſingen, Er, der erſt kürzlich wieder gezeigt hat, daß ein Stirnrunzeln des Bona⸗ parte ihm ſchlimmer däucht, als die Todesgefahr eines edlen deutſchen Mannes? Er ſollte eine Armee commandiren, die gegen den Napoleon uud ſeine Franzoſen kämpfen und ſiegen ſoll? Ihr wißt's doch, was er gethan hat? Dem franzöſiſchen Geſandten, Grafen St. Marſan, der unſerm König hierher nach Breslau gefolgt war, um ihn zu be⸗ lauern und zu beobachten, dem hat er verrathen, daß der Miniſter von Stein, der beſte und tapferſte Deutſche, heimlich hierher gekommen ſei nach Breslau, um im Namen des Kaiſers von Rußland mit dem König zu unterhandeln, daß er in einem Dachſtübchen wohne, und da alle Abend große Conferenzen der Feinde Napoleons ſtattfinden.*)

Ja wohl, ſagte Scharnhorſt, das hat der Feldmarſchall von Kalk⸗ reuth gethan, und ſeine Schuld iſt's nicht, wenn der Herr von Stein mitſammt ſeinen Freunden, zu denen ich mich auch zählen darf, nicht heimlich von den Franzoſen aufgehoben und fortgeführt wurden. Der gute Graf St. Marſan glaubte zum Glück diesmal dem Herrn Feld⸗ marſchall nicht, der ſeinen deutſchen Landsmann an ihn verrieth, und er ließ ſich täuſchen von der gänzlichen Einſamkeit und Stille, die in dem Dachſtübchen herrſchte, welches, wie Kalkreuth ihm geſagt hatte, von dem gefährlichen Miniſter von Stein bewohnt werde.**)

Na, und dieſen Mann, das Haupt der Franzoſenpartei, den wollen ſie jetzt zum commandirenden General der ſchleſiſchen Armee machen,

*) Pertz: Leben Stein's. III. S. 310. **) Beitzke. I. S. 170. 25*