Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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ſteckt drin, ſagte Meiſter Martin, indem er Leonoren die rothe Soldaten⸗ jacke darreichte.

Der junge Freiwillige erröthete und ſagte leiſe: Freilich, ich muß Euch bitten, Herr Meiſter, mir zu zeigen, wie Ihr das macht, denn Herrenkleider habe ich noch nicht gearbeitet.

Damenſchneider! rief Meiſter Martin mit einem Ausdruck unaus⸗ ſprechlicher Verachtung. Der Andere auch?

Ja, ich bin auch nur Damenſchneider, ſagte Caroline lächelnd.

Und das will ſich erkühnen, Mir Hülfe anzubieten, rief der Meiſter achſelzuckend.

Es kommt ja nur darauf an, daß Ihr ihnen richtige Anleitung gebt, Herr Meiſter, ſagte Frau von Lätzow bittend, denn da ſie die Nadel zu führen verſtehen, werden ſie es leicht begreifen.

Und wenn die Arbeit gleich hinterher reißt, und wenn das Stück Zeug nicht ſitzt, ſo kommt es doch auf meine Kappe, rief der Schneider, und der Meiſter Martin wird dafür geſcholten. Es bleibt dabei, ich kann die Arbeit nicht mehr übernehmen, denn es fehlt mir an tüchtigen Gehülfen. Keiner will ja jetzt mehr arbeiten, Alles läuft jetzt unter die Soldaten, alle Köpfe ſind verdreht.

Nein, Meiſter, rief die Majorin, alle Köpfe ſind wieder richtig gedreht, ſie ſind wieder dem Einen zugewandt, was Noth thut, dem Vaterlande.

Ah, bah, die Arbeitsſtube, das iſt mein Vaterland, ſagte der Schneider leichthin.

Das iſt nicht wahr, rief Frau von Lützow, Ihr denkt nicht ſo, und könnt nicht ſo denken, Ihr verläſtert Euch ſelber, indem Ihr ſo ſprecht. Denn wenn Ihr ſo dächtet, ſo wäret Ihr kein Preuße und kein Deutſcher, und Niemand würde Euch mehr lieben und achten können. In den Zeiten des Unglücks und der Schmach, da mag Euch die Arbeits⸗ ſtube ein Troſt und eine Beruhigung geweſen ſein, aber jetzt, da die Sonne der Freiheit aufgeht, jetzt müſſen alle Herzen ſich heben, jetzt muß Jeder hinaus, hinaus um die neue Welt zu ſchauen, jetzt liegt die Arbeit, welche des Mannes würdig iſt, nicht in der Stube, ſondern da draußen auf dem Schlachtfelde, und dieſe Arbeit heißt: die Befreiung des Vaterlandes!